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2 Meter für uns, keinen Millimeter für Uranmülltransporte!

Atommülltransport von Gronau über Münster und Hamm am Montag: Es wird Corona-kompatible Proteste geben. – Also zwei Meter Abstand zueinander und Mund-/Nasenschutz! Fahnen und Transparente füllen die Lücken. Auch Trillerpfeifen erregen Aufmerksamkeit.

BITTE ÄNDERUNGEN BEACHTEN! Fast stündlich trudeln bei mir Änderungen und Ergänzungen ein, die für die aktuellen Vorkommnisse und Planungen wichtig sind. Ich versuche, diese am Ende dieses Artikels zu dokumentieren. Unten findet sich auch ein Pressespiegel (Uli Mandel)

Pressemitteilung vom 03.04.2020

BBU Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz

Zweiter Anlauf für neuen Uranmülltransport von Gronau am 6. April 2020?

  • Urananreicherer Urenco völlig uneinsichtig in Corona-Zeiten
  • Transportschiff Mikhail Dudin ist schon in Antwerpen
  • NRW-Landesregierung duckt sich weg
  • Erste Proteste an den Bahnstrecken bereits angemeldet
Atommülltransport 10.12.2019
Atommülltransport 10.12.2019

Regionale Anti-Atomkraft-Initiativen, der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und die Ärzteorganisation IPPNW befürchten, dass der Gronauer Urananreicherer Urenco für kommenden Montag, 6. April, einen zweiten Anlauf für einen neuen Uranmülltransport von der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau zur russischen Atomfabrik Novouralsk plant. Nachdem es diese Woche keinen Uranmülltransport gab, zeigten sich Urenco-Sprecher in mehreren Interviews völlig uneinsichtig angesichts der zusätzlichen Belastung für die Einsatzkräfte und Krankenhäuser. Das russische Transportschiff Mikhail Dudin befindet sich bereits im Hafen von Antwerpen.

Die Initiativen und Verbände rufen Urenco sowie die NRW-Landesregierung und das Bundesinnenministerium eindringlich auf, in den schwierigen Corona-Zeiten auf diese zusätzliche und vollkommen vermeidbare Belastung der Öffentlichkeit und Notfalldienste zu verzichten. Atommüll-Exporte dienen nicht der Energieversorgung und sind besonders in diesen Tagen eine verantwortungslose Luxus-Aktivität. Der für die Atomaufsicht zuständige NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) hat bislang keine von drei schriftlichen Anfragen des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen zu diesem Thema beantwortet.

Die Route für die Uranmüllzüge führte 2019 von Gronau über Steinfurt, Münster, Drensteinfurt, Hamm, den Kreis Unna, das Ruhrgebiet, Duisburg, Viersen, Mönchengladbach, Venlo und viele niederländische Orte bis zum Hafen Amsterdam. Verladungen sind aber auch in Antwerpen und Rotterdam möglich.

„Die Corona-Krise dehnt sich von Tag zu Tag aus – auch im Münsterland und in ganz NRW sind die Einsatzkräfte und Krankenhäuser voll ausgelastet. Die Bevölkerung wird weiterhin eindringlich aufgerufen, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Es kann deshalb nicht sein, dass ausgerechnet jetzt ein Konzern wie Urenco mit seinen deutschen Anteilseignern RWE und EON mehrere Hundert Tonnen Atommüll auf die Reise schickt, dafür Polizeikräfte bindet und den örtlichen Feuerwehren und Krankenhäusern zusätzliche Vorsorgemaßnahmen aufbürdet. Die Menschen in Russland dürfen ohnehin nur sehr eingeschränkt protestieren, derzeit gelten auch dort strikte Ausgangsbeschränkungen. Urenco muss nun dringend öffentlich Verantwortung zeigen und den Transport verbindlich absagen,“ so Udo Buchholz vom örtlichen Arbeitskreis Umwelt Gronau.

Protestaktionen und Online-Petition

Uranmüllzug verlässt Gronau
Ein Sonderzug mit Uranmüll verlässt die Gronauer Urananreicherungsanlage Richtung Münster / Amsterdam / Russland (09.03.2020)

Bei den letzten Uranmülltransporten hatten AtomkraftgegnerInnen Ende 2019 zwei Uranmüllzüge zwischen Gronau und Münster mit Abseilaktionen für mehrere Stunden blockiert. Die Proteste richten sich auch gegen die häufigen Urantransporte mit LKW, die mit dem Betrieb der Gronauer Uranfabrik verbunden sind. Auch in Russland kam es in St. Petersburg, Moskau und sogar am Zielort in der abgeschotteten Atomstadt Novouralsk zu Protesten gegen die Uranmüllexporte.

Für den Fall, dass Urenco jetzt wider aller Vernunft doch den neuen Uranmülltransport startet, haben AtomkraftgegnerInnen im Münsterland bereits erste Protestaktionen entlang der Bahnstrecken angemeldet. Für diesen Fall wird auch ein Gang vor die Verwaltungsgerichte vorbereitet zur Durchsetzung von Corona-kompatiblen Protesten.

Mitte März hatte das Bundesinnenministerium einen für Anfang April geplanten Atommüll-Transport vom britischen Sellafield zum stillgelegten AKW Biblis in Hessen aufgrund der Corona-Gefahrensituation abgesagt.Gegen den Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage Gronau richtet sich aktuell auch ein Ostermarsch-Appell, für den derzeit rund 20 Initiativen und Verbände mittels einer Online-Petition Unterschriften sammeln. Die Petition findet sich unter www.openpetition.de/

Weitere Infos:

www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de, www.ippnw.de

Gemeinsame Pressemitteilung

  • Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau
  • Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf
  • SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
  • Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland
  • Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
  • IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs / Ärzte in sozialer Verantwortung
  • Gronau/Münster, 2. April 2020

Aktualisierungen nach der o.g. Presseerklärung

Nachtrag vom 05.04.2020
von SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen:

Unsere Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster hat die Stadt Münster zum Einlenken bewogen. Das heißt, die von uns angemeldete Versammlung gegen den morgigen Uranmülltransport findet wie angemeldet am morgigen Montag ab 11 Uhr auf dem Alfred-Krupp-Weg / Ecke Roddestraße (Höhe E-Center, Westseite Güterbahnhof) statt! Das pauschale Versammlungsverbot wurde erfolgreich gekippt!

Die Auflagen zeigen aber, wie restriktiv die Lage momentan ist:

  • Menschen mit Husten oder Fieber dürfen nicht teilnehmen,
  • wer nicht in „häuslicher Gemeinschaft“ lebt, muss mindestens 1,50 m Abstand von den Nachbarn halten,
  • Flugis verteilen ist nicht erlaubt.

Das werden wir natürlich jetzt alles so umsetzen … aber es gibt auch einen Fun-Faktor:

  • Alle TeilnehmerInnen sind offiziell verpflichtet, sich zu vermummen, also „Mund und Nase mit einer Maske zu bedecken“.

In der jetzigen Situation sehen wir das Einlenken der Stadt Münster als positives Zeichen, denn die nunmehr erfolgreiche Versammlungsanmeldung sollte auch andernorts Mut machen, sich nicht einschüchtern zu lassen oder sich zu Hause einschnüren zu lassen. Die News aus anderen Städten zum Versammlungsrecht sind dagegen oft schlimm in diesen Tagen. Gestern wurde im Wendland z. B. eine Soli-Versammlung mit 20 Leuten für Flüchtlinge von einem Großaufgebot der Polizei rüde aufgelöst.

Also: Morgen wird auf jeden Fall gegen den Uranmülltransport nach Russland demonstriert – auch in Gronau läuft gerade eine Versammlungsanmeldung. Bringt Fahnen und Sandwiches oder ähnliches mit, damit wir deutlich sichtbar sind.

Hinweis: Wie sich die neue Versammlungslage auf die Transportpläne von Urenco und Polizei auswirkt, können wir natürlich nicht beurteilen. Es kann nun am Fahrplan in letzter Minute noch Änderungen geben, um den Versammlungszeiten auszuweichen – das ist letzten Dezember auch schon einmal passiert, als am Montag 13 Mahnwachen quer durch NRW angemeldet waren. Dann fuhr der Zug erst am Dienstag – und wurde trotzdem durch eine Abseilaktion gestoppt.

Haltet euch auf dem Laufenden – wie sehr wir die Infos morgen immer zeitnah updaten können, wird sich zeigen. Schaut auch bei sofa-ms.de oder urantransport.de auf Twitter (@SofA_MS) vorbei.

Nachtrag vom 03.04.2020
von Udo Buchholz, BBU-Vorstandsmitglied :

Im Nachtrag zur Pressemitteilung von gestern Nachmittag (Atomkraftgegner klagen gegen Versammlungsverbot) teilen wir Ihnen ergänzend mit, dass für Montag (6. April 2020) bei der Polizei im Kreis Borken sowie beim Ordnungsamt der Stadt Gronau auf der Brücke vor der Urananreicherungsanlage in Gronau eine Mahnwache angemeldet wurde. In der Anmeldung heisst es:

„Trotz, bzw. gerade wegen „Corona“ sehen wir unter Abwägung der Verhältnismäßigkeiten eine dringende Notwendigkeit an dieser Stelle eine Mahnwache abzuhalten. Unser Protest richtet sich hier in besonderer Weise gegen die behördliche Entscheidung, diesen Atommülltransport in dieser zur Zeit bestehenden gesundheitlichen hohen Gefahrenlage zu genehmigen. Es ist selbstverständlich, dass wir die behördlichen bekannten Anweisungen zum persönlichen Schutz vor Infektionen in unserer Aktion einhalten werden.“

Die Mahnwache (Max-Panck-Straße) wurde für (06.08.2020) ca. 8 – 12 Uhr angemeldet.

Pressespiegel zu den Vorgängen (aktuelle Beiträge oben:)

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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