THTR-Rundbrief Nr. 150 ist raus!

Jubiläumsausgabe Nr. 150 vom THTR-Rundbrief erschienen!

Der von der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm herausgegebene THTR-Rundbrief ist soeben mit seiner Jubiläumsausgabe 150 erschienen. Seit 1987 berichtet diese Zeitschrift nicht nur über Störfälle und Probleme rund um den Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) in Hamm-Uentrop, sondern auch über das Forschungszentrum Jülich (FZJ), das diesen Pleitereaktor entwickelt hat und bis heute Know how für eine Renaissance der HTR-Linie gerne in der ganzen Welt zur Verfügung stellt.

Auf insgesamt über 3.000 Seiten beleuchtet der Rundbrief seit über 30 Jahren die Versuche der Atomlobby, in vielen Ländern THTR´s weiterzuentwickeln und zu bauen und kommentiert ihr bisheriges Scheitern.

Insbesondere in die Diskussion um den Pebble Bed Modular Reactor (PBMR), für den Südafrika ca. eine Milliarde Euro ausgab, haben wir uns intensiv eingemischt, Erfahrungen weitergegeben und damit dazu beigetragen, das dieser Reaktor in Südafrika nicht gebaut wurde.

Über China, wo derzeit ein HTR fertiggestellt werden soll, berichtet der Rundbrief ebenfalls sehr ausführlich. Ob in Polen, Indonesien, Indien, USA, Europäische Union, Japan, Russland – an vielen Orten wird mit  sehr bescheidenem Erfolg versucht, die Generation IV (zu der der HTR gehört) zu entwickeln. Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden.

Der stillgelegte Reaktor in Hamm mit seinen möglichen Gesundheitsgefährdungen, die Aufarbeitung des Störfalls von 1986, die Überlegungen um seinen Rückbau und die Situation in dem Brennelementezwischenlager (BEZ) in Ahaus sind ebenfalls ein wichtiges Thema im THTR-Rundbrief.

Gelegentliche kleine Ausflüge in die Hammer Lokalpolitik, die thematische Beschäftigung mit beispielsweise Rechtsradikalismus und medienpolitischen Fragen runden das inhaltliche Spektrum ab.

Die Papierausgabe des THTR-Rundbriefes kann gegen eine kleine Spende abonniert werden. Im Internet ist der Inhalt ebenfalls einsehbar. Unsere Seite „Reaktorpleite“ wird mit etwa 300.000 Visits jährlich gut besucht und weltweit beachtet: reaktorpleite.de

Einleitende Worte vom Redakteur Horst Blume

Hallo Werner, Harald, Peter, Marita, Thomas und Ulrich … – nein, nein, keine Bange, ich werde jetzt nicht alle Rundbriefabonnenten einzeln aufzählen. Dank Internetauftritt haben wir seit 15 Jahren bei jährlich 300.000 Visits eine sehr hohe Zahl von LeserInnen und sind medienmäßig gut aufgestellt. Aber diese Papierausgabe ist schon ein bisschen anachronistisch.

Während heutzutage fast jeder Kaninchenzuchtverein mit Hochglanz und Vierfarbdruck sein Vereinsblättchen präsentiert, trotzt dieser Rundbrief dem bunt glitzerden Zeitgeist, wird mit Schere und Kleber zusammengebastelt und teilweise auf Umweltschutzpapier gedruckt. Und zwar seit 1996 in der Fraktionsgeschäftsstelle der Grünen im Rat der Stadt Hamm. Bei Papierstau und anderen technischen Problemchen helfen Siegbert und Elvira bereitwillig und zuverlässig. Wer den Umfang dieser Hilfe würdigen will, sollte im Hinterkopf haben, dass dieser Rundbrief in seinen Hochzeiten bis zu neun Mal im Jahr erschien!

Selbstverständlich war bei zwei gleichzeitigen rotgünen Koalitionen in Bund und Land auch im Blatt manch harte Kritik an grüner Regierungspolitik zu lesen. In dieser Zeit konnte es schon mal passieren, dass ein grüner Ratsherr mich mit ironischem Unterton am Kopierer ansprach mit „na, schimpfst Du wieder über uns und wir müssen das auch noch drucken?“ – Aber natürlich wissen wir als Bürgerinitiative die zuverlässige Unterstützung über einen Zeitraum von immerhin 22 Jahren (!) zu würdigen und die vielen Anfragen und Anträge in Sachen THTR, die wir gemeinsam auf den Weg gebracht haben, auch!

Bis zum Jahr 1995 war diese Zeitschrift bis zu 100 Seiten dick und wurde in Münster in einer alternativen Druckerei gedruckt. Wir dokumentierten damals auch ausführlich Zeitungsberichte aus Ahaus, wo die THTR-Brennelementekugeln lagern und Artikel aus Dortmund, dem Sitz der Vereinigten Elektrizitätswerke (VEW). Ausgeschnitten und zugeschickt hatte sie in mühevoller Kleinarbeit der 2009 leider verstorbene Theo Hengesbach, der übrigens auch 1975 durch eine Kleinanzeige in der libertären Monatszeitschrift „Graswurzelrevolution“ den Impuls für die Gründung unserer Bürgerinitiative gegeben hat. Diese Zeitschrift begleitet den Rundbrief als Verstärker und Ideengeber ebenfalls seit Jahrzehnten. Bis heute hat dieser Rundbrief einen Gesamtumfang von über 3.000 Seiten. Der Pannenreaktor THTR und seine von der Atomindustrie angestrebten Nachfolger wurden auf diese Weise kontinuierlich kritisch begleitet.

Nach der endgültigen Stilllegung des THTR´s im Jahre 1989 lies nicht nur das öffentliche, sondern auch das Interesse ehemaliger Demonstranten und Aktivisten an dem THTR stark nach, obwohl die Probleme der Stilllegung, weitere Störfälle und die Atommülllagerung Grund genug waren, weiterhin aktiv zu bleiben. Der Rundbrief war deswegen Mittel und Medium, um Kontinuität zu gewährleisten. Etliche Extrablätter wurden in hoher Auflage zusätzlich verteilt.

Ursprünglich war der Rundbrief aus naheliegenden Gründen auf den Standort Hamm fokussiert. Im Laufe der Zeit wurde er jedoch „internationalistischer“. Zum Einen, weil mir der herkömmliche Lokalegoismus vieler Hammer Bürger, nur dann aktiv zu werden, wenn man selbst unmittelbar bedroht wird, zuwider ist. Zum andern, weil die Atomindustrie nach der Pleite in Hamm immer noch nicht aufgab und versuchte, diesen Reaktortyp in vielen anderen Ländern der Welt zu etablieren.

In Südafrika waren die Vorbereitungen, den Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) zu bauen besonders weit gediehen, bevor das Experiment nach einer ausgegebenen Milliarde Euro abgebrochen wurde. Eine wichtige Rolle bei der Weitergabe unserer Erfahrungen nach Südafrika spielte Stefan Cramer von der vor Ort agierenden Heinrich-Böll-Stiftung, mit dem wir intensiv und letztendlich erfolgreich zusammenarbeiteten. Die mehr oder weniger weit gediehenen Versuche in China, Indonesien, Indien, Japan, USA, EU oder sonstwo HTR-Reaktoren zu entwickeln und zu bauen waren für mich immer hochinteressante Herausforderungen, sich in die Situation anderer Länder hineinzuversetzen und über den Tellerrand hinauszuschauen.

In jüngerer Geschichte war unsere Zusammenarbeit mit dem Whistleblower Rainer Moormann besonders wichtig, weil er uns sachlich, seriös und hilfsbereit nicht nur wichtige Hintergrundinformationen zur HTR-Linie zur Verfügung stellte, sondern uns auch vor allzu voreiligen „Schnellschüssen“, zu der manch aufgeregter Aktivist manchmal im Eifer des Gefechts neigt, bewahrt hat.

Zu danken ist natürlich ebenfalls den Abonnenten, die über viele Jahre hinweg ihr Abonnement bezahlt und oft sogar zusätzlich gespendet haben! Der Großteil der Mitglieder unserer BI ist inzwischen über 60 Jahre alt. Ich werde mich bemühen, noch ein Weile Informationen und Erfahrungen in diesem Rundbrief weiterzugeben.

Schreibe einen Kommentar