Wir waren 50.000! #hambi

Die Demonstration am 06.10.2018 für den Kohleausstieg und gegen die Abholzung des Hambacher Waldes war ein voller Erfolg. In diesem Beitrag haben wir Berichte und Fotos von Teilnehmern, sowie lokale Presseveröffentlichungen und die Pressemitteilung der Veranstalter veröffentlicht.

Foto: Hartmut Batzke, 06.10.2018
Foto: Hartmut Batzke
Foto: Gerd Peter, 06.10.2018
Die Teilnehmer aus Hamm. Foto: Gerd Peter

Bericht und Fotos von Jürgen Blümer

Im Hambacher Forst haben über 50.000 Menschen das Ende des Energieträgers Kohle eingeläutet. Aus Rinkerode und Drensteinfurt hatten sich sechs Menschen mit auf den Weg gemacht und erlebten einen historischen Tag.

Der Freitag Morgen vor dem Demo-Tag am Hambacher Wald war von Frust geprägt gewesen. Die Polizei hatte die Demo verboten, die Baumaßnahmen des RWE hatte zu tiefen Gräben um den umkämpften Wald geführt. Der BUND hatte zwar angekündigt, das Verbot der Polizei gerichtlich im Eilverfahren anzufechten. Doch es sah wirklich nicht gut aus.

Kurz vor Mittag am 05.10.2018 dann die erste Meldung aus Münster: Das Oberverwaltungsgericht verfügte einen sofortigen Rodungsstopp im Eilverfahren. Begründung: Der Konzern RWE konnte nicht schlüssig nachweisen, warum die Kohle unter dem Wald wichtig sei für die Energieversorgung. Eine schallende Ohrfeige für RWE und die Landesregierung in NRW unter Armin Laschet (CDU).

Und am Nachmittag der zweite Streich: Das Verwaltungsgericht in Aachen hob das Demonstrationsverbot auf. Eine schallende Ohrfeige für die Landesregierung in NRW und den Innenminister Herbert Reul (CDU).

Nun galt es, innerhalb kürzester Zeit die Organisation zu starten, um die Menschen aus ganz Deutschland sicher zum Kundgebungsgelände zu bringen. Einen von fünf Bussen aus Münster stellte das Umweltforum Münster, und eine sechsköpfige Reisegruppe aus Rinkerode und Drensteinfurt traf sich zum Abfahrtzeitpunkt am Samstag Morgen.

Nach zügiger Fahrt erreichte man rasch die Geisterstadt Manheim, deren Bewohner vor Jahren nahezu vollständig den Ort räumen mussten vor den anrückenden Braunkohlebaggern.

Der Fußweg betrug noch über eine Stunde, da die Parkplätze in Veranstaltungsnähe für die Busse nicht mehr ausreichten. Bereits auf dem Weg zur Kundgebung war rasch klar: Das würde gewaltig. Die Schlange der anströmenden Menschen riss nicht ab. Je näher man dem Gelände kam, umso lauter war die Musik und es wurde in den verschiedenen Gruppen mitgesungen.

Auf dem Gelände angekommen, bemühten sich die Ordner, die Menschenmenge zügig zu verteilen, um den nachfolgenden Menschen noch Platz bieten zu können. Die Organisatoren zählten am Ende rund 50.000 Menschen, die gegen Kohleenergie an den Hambacher Wald gekommen sind.

Die Drensteinfurter Buche

Zahlreiche Menschen nutzten die Gelegenheit, sich den Hambacher Wald auch direkt anzusehen. Die Polizei hielt sich zurück und der RWE-Werkschutz war abgezogen. Und so war es ein leichtes, die Drensteinfurter Buche, die vor zwei Wochen bei einem Sonntagsspaziergang unter geduldiger Beobachtung der Polizei eingegraben worden war, wiederzufinden. Das Wiedersehen wurde auch mit eine Foto dokumentiert. Und wo vor 14 Tagen noch Polizisten die Waldspaziergänger jagten, breitete sich eine Hippie-Picknik-Stimmung aus mit Decken, Hängematten und Gitarrenmusik.

Tausende von Menschen schweiften um die jahrhundertealten Bäume und machten sich ein Bild davon, wie schlimm die RWE-Räumtrupps gewütet hatten.

Gedenken an den tötlichen Unfall des Journalisten.

Bedrückend war der Besuch der Gedenkstelle, an der ein Journalist bei der Dokumentation der Räumung durch RWE durch einen Unfall zu Tode gekommen war.

Auf den Wegen wurden schon wieder Barrikaden aufgebaut, um die Bäume vor den Räumfahrzeugen zu schützen. Und an der Abbruchkante zum Tagebau bereiteten sich die AktivistInnen von ‚Ende-Gelände‘ bereits auf den Marsch in den Tagebau vor.

Auf dem Rückweg ergab sich dann der Eindruck, der das Schlusswort zu diesem Reisebericht liefern soll: Mehrere Polizisten aus NRW beobachteten am Straßenrand gelassen den Abzug der Demonstranten. Auf dem Ärmel der Uniform war ein Förderturm zu erkennen, denn die Beamten kamen aus Essen. Der dortige Polizeipräsident sollte sich schleunigst nach einem anderen Wappen für seine Kollegen umsehen. Denn…

… Dieser Tag am Hambacher Wald markiert die Kohlewende!

Fotos von Martin Knäpper

Fotos von Gerd Peter

Fotos von Hartmut Batzke

Fotos von Campact

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Lokale Presseberichte

WA vom 09.10.2018 S.1
WA vom 09.10.2018 S.2
Radio Lippewelle, 07.10.2018
WA Drensteinfurt, 09.10.2018

Presseberichte der Veranstalter

Gemeinsame Pressemitteilung von Buirer für Buir, BUND, Campact, Greenpeace und NaturFreunde Deutschlands vom 6. Oktober 2018

50.000 demonstrieren am Hambacher Wald für schnellen Kohleausstieg

Berlin/Buir, 6.10.2018 – 50.000 Menschen demonstrieren heute am Hambacher Wald friedlich für einen schnellen Kohleausstieg und gegen die Zerstörung des Waldes. Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demonstration im Rheinischen Revier. Wegen Staus und Überlastung der Bahn kam es zu Verzögerungen bei der Anreise. Noch bis zum späten Nachmittag werden tausende Menschen am Wald ankommen.

Die Veranstalter der Großdemonstration, die Initiative Buirer für Buir, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Campact, Greenpeace und die NaturFreunde Deutschlands, forderten gemeinsam mit den Teilnehmern von der Bundesregierung einen zügigen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle und von dem Energiekonzern RWE einen Komplettverzicht auf die geplante Rodung des Hambacher Waldes. Noch gestern musste das Demo-Bündnis die Genehmigung für die Kundgebung mit einem Eilantrag gerichtlich einklagen.

Die Demonstration verlief wie die überwiegende Mehrheit der Proteste rund um den Hambacher Wald friedlich, viele Familien mit Kindern waren gekommen. Bekannte Künstler wie die Band Revolverheld unterstützten die Großdemonstration.

Auch online sprechen sich immer mehr Menschen für entschlossenen Klimaschutz und gegen die Abholzung des Waldes aus. Mehr als 800.000 Menschen unterstützen bereits den Online-Appell „Hambacher Wald: Retten statt roden“.

ZITATE der Redner/innen:

Antje Grothus, Initiative Buirer für Buir:

„Gerichte mussten durchsetzen, was eigentlich Aufgabe der Politik ist, nämlich wertvolle Natur zu schützen vor den rücksichtslosen und rechtswidrigen Plänen eines Energiekonzerns. Die Sturheit von RWEs Kohlepolitik und der Beistand der Landesregierung haben Deutschland international blamiert. Jetzt muss die Bundesregierung die letzten Reste
des deutschen Klimarufs retten und den Kohleausstieg sehr ambitioniert angehen.“

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger:

„Wir haben heute ein starkes Signal der Zivilgesellschaft für einen schnellen Kohleausstieg gesendet. Trotz aller Versuche von RWE und der NRW-Landesregierung den Protest unmöglich zu machen, haben sich Tausende für mehr Klimaschutz stark gemacht. Jetzt gibt es ein Zeitfenster in der Kohlekommission, einen großen gesellschaftlichen Kompromiss für den schnellen Kohleausstieg und für zukunftsfähige Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen zu verhandeln.“

Christoph Bautz, Geschäftsführender Vorstand von Campact:

„RWE und die Regierung Laschet haben mit ihrer Ignoranz und Arroganz im Hambacher Wald eine krachende Niederlage erlitten – ein riesiger Erfolg für die Klimaschutz-Bewegung. Doch das war erst der Auftakt: Noch nie haben so viele Menschen für den Ausstieg aus dem Klimakiller Braunkohle demonstriert. Jetzt lassen wir nicht mehr locker, bis die Bagger endlich still stehen und die Schlote nicht mehr rauchen.“

Martin Kaiser, Greenpeace-Geschäftsführer:

„Dieser Tag zeigt, wie stark die Klimabewegung inzwischen geworden ist. Sie hat RWEs rücksichtslose Kohlepläne gestoppt und sendet damit ein klares Signal Richtung Berlin: Hunderttausende Menschen wollen, dass der Ausstieg aus der Kohle schon heute beginnt. Kein Wald, kein Dorf, keine Kirche dürfen mehr für klimaschädliche Kohle geopfert werden.  Nun kann die Kohlekommission endlich ohne RWEs Störfeuer an ihrem Auftrag arbeiten. Sie muss bis Ende des Jahres einen Plan vorlegen, wie Deutschland seine Energieversorgung schnell genug modernisiert, um die Pariser Klimaziele zu erreichen und den Menschen in den Revieren dabei eine Zukunftsperspektive zu bieten.“

Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands:

„Es geht hier um viel mehr als allein den Hambacher Wald. Wir brauchen den schnellen Kohleausstieg und insgesamt das Ende des fossilen Zeitalters, denn die Menschheit ist auf dem Weg in die ökologische Selbstvernichtung. Niemand kann die Gesetze der Natur ignorieren. In der Kohlekommission darf es bei den Ausstiegsfristen nicht um irgendeinen Deal gehen. Im Klimaschutz muss das Notwendige und nicht nur das scheinbar Mögliche getan werden.“

Pressekontakte:

BUND:
Dirk Jansen, Geschäftsleiter BUND NRW, Mobil: 0172-2929733, E-Mail: dirk.jansen@bund.net

Campact:
Olga Perov, Mobil: 0151-52582390, E-Mail: perov@campact.de

Greenpeace:
Gregor Kessler, Mobil: 0151-72702918, E-Mail: gregor.kessler@greenpeace.de

NaturFreunde:
Michael Müller, Bundesvorsitzender, Tel.: 0172-2462125, E-Mail: mueller@naturfreunde.de

Quelle dieser PM und weitere Informationen zur Demo:
stop-kohle.de

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