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Ablehnung in Hamm – Rückenwind in Welver

WA vom 22.10.2020

Am 22. Oktober 2020 war im Lokalteil Welver des Westfälischen Anzeigers (WA) zu lesen, dass Jutta Mir Haschemi-Röben und Dieter Röben dort eine Freiflächen-Solaranlage erreichten werden. Ich kenne die beiden u.a. als engagierte Energiewender und Teilnehmer unseres Runden Tisches. Jutta und Dieter kommen aus Hamm. Erstaunlich, dass sie in Welver investieren! Warum nicht in Hamm? – Das wollte ich genauer wissen und ich habe sie daher um ein Interview gebeten. – Aber vorab ein Zitat von Jutta Mir Haschemi-Röben, das ich dem WA entnommen habe:

”Wer den Wunsch nach sauberer Energie jetzt nicht verspürt, verdrängt den Ernst der Lage. Weniger CO2-Ausstoß und damit gebremster Temperaturanstieg sind das Gebot der Stunde. Es ist eine gute Nachricht, dass die Landwirte in Welver neben ihren Äckern handeln und die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung mit Blütenstreifen unterstützten. Damit wird zwar Ackerfläche der Nutzung entzogen, im Gegenzug hat es doch für die übrige, genutzte Ackerflächen einen positiven Effekt. Die Fläche unseres Solarparks macht ja nur 0,03 Prozent der rund 5500 Hektar Ackerland in Welver aus. Der Acker kann nach der Solarnutzung wieder ohne Einschränkungen für die Landwirtschaft genutzt werden. Die Anlage weist bereits nach zwei Jahren Stromgewinnung eine positive ökologische Bilanz auf.“


Das folgende Interview wurde schriftlich geführt:

Ich habe euch als Teilnehmer unseres Runden Tisches kennen gelernt. Ihr kommt aus Hamm und plant, in Welver in eine Freiland-Photovoltaik (PV)-Anlage zu investieren. – Warum in Welver und nicht in Hamm?

Jutta und Dieter (J&D): Wir haben dem Stadtplanungsamt der Stadt Hamm mehrere Flächen vorgeschlagen. Mitteilung des Stadtplanungsamtes: In Hamm werden keine Freiflächen für PV genehmigt.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem behördlichen Antragsverfahren gemacht? Welche Hürden mussten bewältigt werden?

J&D: Es ist eine Flächennutzungsplanänderung im Rahmen einer Bauleitplanung notwendig. Alle Behörden im Kreis Soest müssen zustimmen einschließlich der Rat in Welver.

Gab es Hemmnisse seitens der Politik?

J&D: Anfänglich im Rat Welver. Nach Vorstellung des Projekts und Erstellung der Planungsunterlagen und Zustimmung des Kreis Soest erteilte auch der Rat in Welver seine Zustimmung.

Provitiert die Gemeinde Welver davon, weil dort die Anlage errichtet wird?

J&D: Gewerbesteuereinnahmen sind gering, denn es gibt nur eine geringe Vergütung des erzeugten Stroms. CO2-Bilanz der Gemeinde wird verbessert. Die Insektenvielfalt wird gesteigert durch Flächenentzug aus der intensiven Landwirtschaft und durch Anpflanzungen von Gräsern im PV-Feld.

Seid Ihr private Investoren und gibt es neben euch noch weitere Personen oder Firmen, die sich finanziell einbringen?

J&D: Wir sind private Investoren

Können sich andere Bürger und Bürgerinnen beteiligen?

J&D: Ja, das ist eine Auflage der Gemeinde.

Ihr habt schon vor langer Zeit in eine Windkraftanlage (WKA) investiert. – Wann wurde sie errichtet?

J&D: Im Jahre 1995. Es waren zwei WKAs: Eine in der Gemeinde Welver und eine in Warstein.

Liefen die Windkraftanlagen bisher profitabel und laufen sie auch nach Auslaufen der EEG-Förderung noch profitabel?

J&D: Sie liefen bisher profitabel. Der wirtschaftliche Weiterbetrieb ab 2021 ist jedoch sehr schwierig, deshalb haben wir vorausschauend beide WKAs zum 01.01.2020 verkauft.

Warum laufen sie ab 2021 nicht mehr profitabel?

J&D: Die Vergütung ab 01.01.2021 am Markt wird ca. 3 ct/kWh betragen und bei größerer Reparatur einer Altanlage droht der Rückbau.

Wie groß ist die Freifläche / Wie groß wird die geplante PV-Anlage?

J&D: Die Freifläche ist ca. 1,2 ha groß. Die Anlage wird eine Kapazität von 750 kWp haben.

Mit welchem Ertrag rechnet Ihr?

J&D: Ob ein wirtschaftlicher Betrieb möglich wird, ist noch ungewiss. Der Zeitpunkt der Genehmigung steht nicht fest (Corona). Vergütung z.Z. unter 6 ct/kWh, sie wird monatlich gesenkt. Vergütungssenkung ist abhängig vom Zubau weiterer Neuanlagen.

Wo (bei welchem Stromversorger) wird der produzierte Strom eingespeist?

J&D: Er wird bei Westnetz eingespeist

Wie hoch ist die Investitionssumme?

J&D: 450.000 – 500.000 €.

Möchtet Ihr noch was ergänzen?

J&D: Die EEG Vergütung für alle regernativen Erzeugungsanlagen wurde in der Vergangenheit erheblich gesenkt, so dass z.Z. nur noch Betreiber in Frage kommen, die anderswo Gewinne erzielen und durch Abschreibungen ihre Gewinne vor Steuer reduzieren können. Außer bei PV-Anlagen auf dem eigenen Wohnhaus wird der Bürger immer mehr als Investor verdrängt. Schade.


Gemäß WA müssen nun nach Aussage des Bürgermeisters Camillo Garzen die Mitglieder des neuen Ausschusses für Gemeindeentwicklung entscheiden. (Ich zitiere aus dem WA:) „Anschließend folgt der nächste Verfahrensschritt: Die Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange.“ – Jutta und Dieter drücke ich für ihr Vorhaben beide Daumen!

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Beitragsbild: Freiflächenanlage nähe Zerbst/Anhalt (C) Ulrich Mandel

 

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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