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Weltklima am Kipppunkt

Das wissenschaftlich bedeutendste Dokument zur Klimaforschung im Jahr 2018 befasste sich mit einem beschleunigten Klimawandel. Das als ‚Hothouse Earth‘ bekanntgewordene Dokument listet als Autor unter anderem Hans Joachim Schellnhuber, den ehemaligen Berater der Bundesregierung zu Fragen des Klimawandels. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichnen dabei ein Zukunftsszenario, das beides ist – extrem wahrscheinlich und extrem katastrophal.

Die Erde befindet sich auf dem Weg in eine bedrohliche Warmzeit, die die menschliche Zivilisation und das Leben auf der Erde insgesamt gefährdet. Der Weg in die Katastrophe ist nur noch durch einen massiven Eingriff in die globalen Strukturen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu stoppen. Und dieser Eingriff muss jetzt stattfinden.

Zu diesem Ergebnis kommen die Autorinnen und Autoren der wissenschaftlichen Veröffentlichung „Trajectories of the Earth System in the Anthropocene„. Danach hat die Erde ihre stabile Klimalage bereits verlassen. Aufgrund massiver Einträge von Klimagasen durch die Industrialisierung befindet sich unser Heimatplanet auf dem Weg in eine Heizzeit, da bei der Erwärmung mit erheblichen Rückkopplungseffekten zu rechnen ist. Für das Weltklima definieren diese Effekte Kipppunkte, ab denen eine Begrenzung der Erwärmung nicht mehr möglich sein wird:

„Our analysis suggests that the Earth System may be approaching a planetary threshold that could lock in a continuing rapid pathway toward much hotter conditions—Hothouse Earth.“

Denn die Erde wird durch ein komplexes Netzwerk von klimarelevanten Systemen vor dem Hitzekollaps geschützt. Sollten mehrere dieser Systeme zusammen brechen, würden wie in einer Reihe von Dominosteinen weitere Systeme in Folge ebenfalls zerstört werden. Der weitere Fortschritt der Erwärmung wäre dann unkontrollierbar und selbst durch ein Stopp von Klimagas-Emissionen nicht zu begrenzen. Die Folge wäre die Zerstörung der menschlichen Zivilisation und ein globales Massensterben bei Pflanzen und Tieren.

Entwicklung des atmosphärischen Kohlendioxidanteils nach „World Scientists’ Warning to Humanity: A Second Notice“ 2017

Bisher sind alle Bemühungen der Menschheit, den Ausstoß von z.B. Kohlendioxid zu verringern, kläglich gescheitert. Statt einer Senkung von Emission erreicht die Produktion von Treibhausgasen durch den Menschen immer wieder neue Höchstwerte.

Die Maßnahmen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern, um den Hitzetod des Planeten zu verhindern, sind angemessen angesichts des drohenden Szenarios – und bedeuten daher einen radikalen Systemwechsel weltweit:

  • Eine fundamentale Neuausrichtung von Werten, Gerechtigkeit, Verhalten, Institutionen, Wirtschaftssystemen und Technologien ist für die Menschheit erforderlich.
  • Insbesondere müssen die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emisssionen massiv reduziert und die Kohlenstoffsenken wie z.B. die riesigen Waldgebiete am Äquator und in den nördlichen Regionen besser geschützt bzw. wieder hergestellt werden.
  • Schutzmaßnahmen angesichts des Temperaturanstiegs müssen bereits jetzt angegangen werden, denn auch wenn wesentliche Maßnahmen rasch greifen würden, wäre eine klimastabile Erde zukünftig wesentlich wärmer als je zuvor –  seit es Menschen auf der Erde gibt.

Die notwendigen Veränderungen haben gerade erst begonnen und müssen wesentlich rascher vorangetrieben werden. Die gesellschaftlichen und politischen Schlüsselentscheidungen, die die Erde vor einer Heißzeit bewahren könnten, sind noch nicht getroffen worden.  Die Türen jedoch, durch welche der Pfad zu einer klimastabilen Erde führen muß, schließen sich bereits jetzt.

 

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