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Auf dem Todesstern

Wie viel Wert hat ein Menschenleben noch? Diese Frage stellt sich in der aktuellen Pandemie tagtäglich und erbarmungslos. Die Antworten sind düster und lassen für den Kampf gegen die Klimakrise verheerendes befürchten.

Die Johns Hopkins Universität zählt am 01.04.2021 weltweit rund 2,9 Millionen Tote im Zusammenhang mit Covid-19, davon rund 77.000 in Deutschland. Durchschnittlich sind bisher global rund 5000 Menschen pro Tag im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

In Deutschland warnen Mediziner und Wissenschaftler seit Wochen vor einer dritten Welle, die das Gesundheitssystem überfordern könnte:

Die Wissenschaftsredaktion ‚Quarks‘ vom WDR spricht von „Ansage ins Verderben“:

„Es ist aus unserer Sicht kaum zu ertragen, wie die Politik in Deutschland die Warnungen und Erkenntnisse aus der Wissenschaft ignoriert.“

Stand heute gibt es keine Strategie in Deutschland, wie die Corona-Pandemie bekämpft werden könnte. Das Potential zum Home-Office wird nicht ausgeschöpft. Die Wirtschaft ist von den Einschränkungen durch die Pandemie weitgehend ausgenommen. Bis heute kann nicht sichergestellt werden, dass an Schulen und Kitas zwei Tests pro Woche bereit stehen. Die Menschen sind mit der Politik in diesem Land unzufrieden und fordern zu rund zwei Dritteln einen härteren Lockdown.

Verantwortungsversagen durch Verachtung

In dieser Faktendichte wirkt die Politik in der Pandemie wie ein bisher nicht gekanntes Versagen der Verantwortlichen im Nachkriegsdeutschland beim Schutz der Bevölkerung. Doch auch in diesem Fall – wie bei der Digitalisierung und der Gesundheitspolitik – bringt die Corona-Pandemie nur ans Tageslicht, was im schnelllebigen Mediengeschäft gewöhnlich unter der Aufmerksamkeitsschwelle bleibt:

Diese unvollständige Liste beschreibt Kontexte, in denen Menschen sterben und Lebensgrundlagen vernichtet werden, ohne dass Politik und Gesellschaft tätig werden – nicht erst seit gestern, sondern über Jahrzehnte. Die Lebensrealität in Deutschland zeichnet sich durch eine Abstumpfung aus, die nun durch die unmittelbare Kausalität der Corona-Pandemie offen zu Tage liegt.

Dass hinter all diesen Statistiken Menschenleben vernichtet wird, ist nur durch konsequente Verdrängung zu ertragen. Fakten und wissenschaftliche Erkenntnis werden brutal verachtet. So hat der Grad der Verzweiflung unter den VirologInnen sich inzwischen dem der KlimaforscherInnen angeglichen

Die Verachtung für den Wert des Lebens und den Erhalt von Schöpfung durchzieht dabei die Handlungsmuster einer globalisierten Gesellschaft wie ein blutig triefender Baumwollfaden. Das Ziel der in Verantwortung stehenden Personen ist nicht mehr die Lösung von Problemen, sondern das Verschieben des Systemkollaps hinter den eigenen Zuständigkeitshorizont. Bei der Pandemie ist diese Strategie gescheitert, weil das Virus unmittelbar und direkt tödlich zuschlägt.

Die Klimakrise jedoch kommt leise schleichend daher, und bietet daher viel Raum für Politik und Gesellschaft, sich der Verantwortung zu entziehen.

„Kapitalismus im Endstadium“ (Volker Pispers)

 

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