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Augen zu in der Klimakrise

Die Stadt Heinsberg in Nordrhein-Westfalen hat den Klimanotstand abgelehnt. In der Verwaltungsvorlage wird dabei auf ein Klimakonzept verwiesen, das weit hinter den notwendigen Reduktionszielen zurück bleibt. Damit befindet sich Heinsberg in schlechter Gesellschaft

Um die weltweite Temperaturerhöhung mit hoher Wahrscheinlichkeit bei 1,5° Celsius zu stabilisieren, muss Mitte der 2030 Jahre Deutschland das Netto-Null-Ziel bei den Treibhausgasemissionen erreichen, so die Forderung von Fridays For Future. Weltweit muss diese Marke Mitte des Jahrhunderts erreicht sein.

Zahlreichen Kommunen sind diese Zielmarken zwar bekannt – doch sie verweigern sich schlichtweg dem Klimaschutz. Ein Beispiel, dass typisch für diese Verantwortungslosigkeit steht, ist die Stadt Heinsberg. Dort hat die Verwaltung den Klimanotstand abgelehnt mit folgenden Zeilen als Begründung:

“Die Stadt Heinsberg möchte Deutschland bei den Klimaschutzzielen unterstützen, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent, bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent, bis zum Jahr 2040  um 70 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. “
Aus: Ratsinformationssystem Heinsberg, Beschwerdeausschuss, 08.07.2019

Im Beschwerdeausschuss wurde der Klimanotstand mit einer Selbstverpflichtung auf das 1,5°-Ziel mit den Stimmen von CDU und FDP abgelehnt. Damit machen diese beiden Parteien auch am Niederrhein deutlich, wie wenig sie von wirksamem Klimaschutz halten.

Wir haben vor Ort nachgefragt, wie diese Entscheidung bei denjenigen Bürgerinnen und Bürgern ankommt, die sich vor Ort für Klimaschutz einsetzen.


Wie ist das Wetter heute in Heinsberg?

Wir haben zur Zeit 26 Grad, die Temperatur soll aber im Laufe des Tages die 40 Grad Marke knacken.

Warum hast Du Dich mit einer Bürgeranregung zum Klimanotstand an den Stadtrat gewandt?

Da wir dringend etwas tun müssen, um einer Klimakatastrophe aus dem Wege zu gehen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird unsere Zukunft düster ausschauen, und auch die Wetterlage wird sich im Kreis Heinsberg drastisch ändern. Als Nebenwirkungen ist mit enormen Ernteausfällen und Wasserknappheit zu rechnen!

Die Verwaltung hat nun empfohlen, die Bürgeranregung abzulehnen. Dem hat der Beschwerdeausschuss der Stadt Heinsberg zugestimmt. Hat Dich diese Entscheidung überrascht?

Nein. Auf einer Seite war es mir schon bewusst, dass der Antrag abgelehnt wird, alleine schon wegen der Aussage von Landrat Pusch, die zuvor preisgegeben worden ist. Zum anderen sträubt sich die CDU sowieso, gegen den Klimanotstand etwas zu tun!

In ihrer Begründung schreibt die Verwaltung, dass die aktuellen Ziele beim Klimaschutz ausreichen würden. Teilst Du diese Sichtweise?

Nein, diese Aussage teile ich nicht.
Im Kreis Heinsberg muss etwas unternommen werden, unter anderem muss die Abholzung am Junkerberg gestoppt werden, außerdem brauchen wir hier mehr Lebensraum für Bienen, Bäume müssen dringend gepflanzt werden und auch einige Stellen hier müssen umgehend von Müll befreit werden. Das sind nur einige Teile, wo Heinsberg die Augen verschlossen hält.

Die Verwaltung will nun bis April 2020 ein ‚kommunenspezifisches, umsetzbares und finanzierbares‘ Klimaschutzkonzept entwerfen, das dann in den nächsten 10 bis 15 Jahren umgesetzt werden soll. Das hört sich doch engagiert an, oder?

Ja, zum Teil schon, aber dies muss dann auch zu 100% durchgesetzt werden und man muss eben diverse Sachen mit aufnehmen, wie unter anderem den Naturschutz, Müllbeseitigung, eventuell Fahrverbote in der Innenstadt, was hier in Heinsberg tragbar wäre. Dann könnte man die Stadt an den diversen Parkplätzen etwas zum blühen bringen.

Wie wird es in Heinsberg nun weitergehen?

Ich werde dem Kreis Heinsberg diverse Vorschläge unterbreiten und um ein Gespräch bitten bzw. mich bei der Umsetzung engagieren!

(Das Interview wurde schriftlich aufgezeichnet am 25.07.2019)

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