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Datteln 4: „Diese Industrieruine muss eine Ruine bleiben“

Wir dokumentieren ausgewählte Redebeiträge von der EndeGelände-Aktion am Kraftwerk Datteln 4. Damit wollen wir dazu beitragen, dem Klimaschutz in Deutschland eine Stimme zu geben und die Reichweite des Diskurses vergrößern.

Den Inhalt dieser Rede geben wir in der Form wieder, wie diese uns vom Redner zur Verfügung gestellt wurde.

Ulrich Werkle, Sprecher Klimabündnis Castrop-Rauxel

„Mein Name ist Ulrich Werkle. Ich spreche für das Klimabündnis Castrop-Rauxel.

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitstreiterinnen im Kampf gegen den Klimawandel, wir stehen hier vor einer Industrieruine der ganz besonderen Art.

  • Dieses Kraftwerk wurde im 20. Jahrhundert geplant, als man Steinkohlekraftwerke mit einem elektrischen Wirkungsgrad von 45 Prozent noch für „modern“ hielt. Im 21. Jahrhundert aber hat ein Kraftwerk, das mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie als Abwärme verliert, schon aus technischer Sicht nichts mehr zu suchen.
  • Dieses Kraftwerk ist ein Schwarzbau. Ihm wurden im Jahr 2009 vom Oberverwaltungsgericht Münster die Rechtsgrundlagen entzogen. Um es am Leben zu erhalten, wurde das NRW-Landesrecht gebogen und gebogen, bis es passte. Nur diese politisch geduldete Abweichung von den gesetzlichen Zielen der Landesplanung (also eine Art „Lex Datteln 4“) ermöglichte einen neuen Bebauungsplan seitens der Stadt Datteln. Ob der aber wirklich trägt, werden notfalls erneut Gerichte entscheiden müssen.
  • Dieses Kraftwerk ist für die Energieversorgung in Deutschland völlig überflüssig. Das hat das Umweltbundesamt schon beim Atomausstieg festgestellt. Um eigentlich überflüssigen Kraftwerken dieser Art eine Rest-Zukunft zu sichern, wird der Ausbau der Solarenergie in Deutschland seit 2012 mit allen staatlichen Mitteln behindert. Seitdem wurden dafür über 80.000 Arbeitsplätze in der Solarbranche vernichtet.
  • Dieses Kraftwerk soll mit billiger Kohle betrieben werden, die unter menschenunwürdigen Bedingungen z.B. in Kolumbien gefördert wird. Gewerkschafter, die dort für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten kämpfen, werden mit dem Tod bedroht und auch ermordet. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie schreibt auf ihrer Homepage zu „Datteln 4“: „wenn das Kraftwerk qualmt, bedeutet das Wohlstand für alle“. Da hat eine deutsche Gewerkschaft ihre Kollegen in Kolumbien und damit die internationale Solidarität anscheinend völlig aus den Augen verloren.
  • Dieses Kraftwerk wird als Leuchtturm der Industriepolitik gefeiert. Aber – bei einer Investitionssumme von rund 1,5 Milliarden Euro schafft es weniger als 100 Arbeitsplätze. Das zeigt die Richtung auf, in die diese Industriepolitik steuert: Rationalisierung ohne Gnade. Wer Arbeitsplätze im Energiesektor schaffen will, der muss den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien nach vorne bringen.
  • Dieses Kraftwerk wird jährlich über 8 Mio. Tonnen CO2 in die Luft blasen – und zwar über Jahrzehnte. Es ist damit einer der größten Klimakiller Europas. Mit der Inbetriebnahme dieses  Kraftwerks kündigt die Bunderegierung den „Kohlekompromiss“ auf und setzt ein verheerendes Zeichen für den Kilmaschutz in Deutschland.

Aus all diesen Gründen darf dieses Kraftwerk keine Zukunft haben. Diese Industrieruine muss eine Ruine bleiben und darf nicht ans Netz gehen. Am besten geht dieses Kraftwerk den Weg, den das Atomkraftwerk Philippsburg in der letzten Woche gegangen ist: Kühlturm sprengen und alles andere systematisch zurückbauen.“

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