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Datteln4: ‚Naturzerstörung in den Minen in Russland und Kolumbien geht weiter‘

Wir dokumentieren ausgewählte Redebeiträge von der EndeGelände-Aktion am Kraftwerk Datteln 4. Damit wollen wir dazu beitragen, dem Klimaschutz in Deutschland eine Stimme zu geben und die Reichweite des Diskurses vergrößern.

Den Inhalt dieser Rede geben wir in der Form wieder, wie diese uns vom Redner zur Verfügung gestellt wurde.

David, interventionistische Linke Münster

„Die aktuelle Krise ist fatal, eine menschliche und soziale Tragödie. Aber von welcher Krise sprechen wir eigentlich? Klima, Corona, Care, aktuell zeigen mehrere Krisen das Nichtfunktionieren unserer Gesellschaftsordnung. Auch wenn die Klimakrise durch die weltweite Pandemie in der gesellschaftlichen Wahrnehmung nach hinten rückt, das Problem ist keineswegs verschwunden und deswegen sind wir hier!

Corona verstärkt soziale Ungleichheiten massiv und lässt sie noch deutlicher zu Tage treten. Wer nichts hat, hat jetzt noch weniger (Beispiel Care-Berufe/Kasse) und wer viel hat kann es sich im sonniger Garten seiner oder ihrer schönen Villa gemütlich machen. Mit der Klimakrise ist es ähnlich, soziale Ungleichheiten treten auch verstärkt zu Tage, allerdings mehr auf einem globalen Niveau. Den globalen Norden, den Hauptschuldigen am Klimawandel, trifft es am wenigsten. Im globalen Süden schlägt die Erwärmung jetzt schon gnadenlos zu und die Ärmsten der Armen bangen um ihre letzten Wasser- und Nahrungsquellen.

Dieses System in Dauerkrise nennt sich Kapitalismus und wir sind hier um ihn abzuschaffen!

Neben den sozialen Ungerechtigkeiten sehen wir in den Systemkrisen aber auch, dass gerechte, solidarische und ökologische Lösungen im Kapitalismus nicht möglich sind. Die Welt geht vor die Hunde und im Rheinland baggert RWE fleißig weiter. Während es den ganzen April nicht einmal regnet, soll in Datteln ein neues Kohlekraft ans Netz gehen. Jedes Jahr fallen neue Temperaturrekorde und jetzt kommen Kaufprämien für Benziner und Diesel. Diese Welt ist so krank.

Nichts davon ist neu, aber Klimakrise und Covid-19 verdeutlichen ein Grundprinzip der kapitalistischen Logik: Die Ausbeutung von Mensch und Natur. Die Corona-Krise verdeutlicht die Notwendigkeit, menschliche Arbeitskraft auszubeuten, die Klimakrise verdeutlicht die Notwendigkeit, natürliche Ressourcen auszubeuten. Gerade die sogenannten „systemrelevanten Berufe“ werden extrem ausgebeutet, allen voran Menschen in Pflege und Erziehung. Die Empörung ist groß, fürs Pflegepersonal wird von den Balkonen applaudiert, aber mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen sind nicht in Aussicht. Stattdessen lassen die Regierenden sich von Großkonzernen Hilfsprogramme diktieren und stecken Milliarden in innovationsfreie Konzerne wie die Lufthansa.

Die Ausbeutung der Natur zeigt sich selten so anschaulich wie im Kohletagebau. Viele von euch kennen vielleicht das Hambacher Loch oder die Grube in Garzweiler. Unvorstellbare Dimensionen der Zerstörung und das für eine der schlechtesten Energiequellen die es gibt. Die Kohle für dieses Kraftwerk hier kommt aus Kolumbien und Russland. Die Dimensionen der Zerstörung sind dort noch größer und die Arbeits- und Umweltbedingungen vor Ort sind noch schlechter.

Wir wissen nicht, ob es noch 5 vor oder doch schon 10 nach 12 ist, was die Rettung des Weltklimas betrifft. Wir wissen nur, dass wir JETZT handeln müssen, wenn wir einer apokalyptischen Katastrophe noch entkommen wollen. Dieses Kraftwerk hier ist genau das Gegenteil: Datteln IV bedeutet Tonnenweise CO2 für die nächsten Jahrzehnte. Die Naturzerstörung in den Minen in Russland und Kolumbien geht weiter.

Aus Politik und Wirtschaft kommen jetzt vermehrt Lippenbekenntnisse, dass wir einen grünen, einen ökologischen Weg aus der Corona-Krise finden müssen. Machen wir uns nichts vor! Es sind und bleiben Lippenbekenntnisse. Staat und Wirtschaft sind an die kapitalistischen Zwänge gebunden, die Ausbeutung von Mensch UND Natur. Ein grüner Kapitalismus kann nicht funktionieren. Wir müssen die aktuellen Krisen, Corona und die Klimakrise, zum Anlass nehmen dieses Systemhinterfragen, zu kritisieren und am Ende zu überwinden!

Wir müssen die aktuellen Krisen, Corona und die Klimakrise, zum Anlass nehmen dieses System zu hinterfragen, zu kritisieren und am Ende zu überwinden!

Corona hat uns etwas ausgebremst, das machen wir durch Entschlossenheit gut. Lasst uns darum weiter auf die Straßen gehen. Wir zeigen, dass wir diese Krise, die sich Kapitalismus nennt, nicht akzeptieren. In Datteln, in Hambach, den bedrohten Dörfern in Rheinischen Revier und überall, gemeinsam, solidarisch und antikapitalistisch.

Another World is possible!

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