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Demo Lingen: Gefühlt wie bei Asterix und Obelix

Demo in Lingen am 26.10.2019
Demo in Lingen am 26.10.2019
Foto: Ulrich Mandel

Am 26. Oktober 2019 sind wir mit einer Gruppe von Hamm gegen Atom und der Infostelle des Sonnenenergie-Fördervereins Ost-Münsterland in Beckum zur überregionalen („näXten“) Demo in Lingen gefahren. Nach kleinen Abenteuern im Tarif-Djungel der Deutschen Bahn kamen wir mit einer einstündigen Verspätung am Bahnhof Lingen an. Sehr praktisch, weil dort vor dem Bahnhof die Auftakt-Kundgebung lief. Musik wurde von Gerd Schinkel geboten.

Unter dem Motto „Atom und Kohle die rote Karte zeigen“ wurde für den drastischen Ausbau sozialverträglicher erneuerbarer Energiesysteme und die Erhaltung und Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze demonstriert, um so den Klimaschutzlügen des dortigen AKW-Betreibers RWE entgegenzutreten.

Demo in Lingen am 26.10.2019
Demo in Lingen am 26.10.2019
Foto: Ulrich Mandel

Gleichzeitig wurde die sofortige Stilllegung der Lingener Brennelementefabrik und ein Exportstopp der Brennelemente an Schrott-AKW insbesondere in Belgien und Frankreich demonstriert – denn die Politik reagiert nicht, obwohl der europäische Gerichtshof Ende Juli 2019 urteilte, dass die 2015 erteilte Laufzeitverlängerung für Doel 1 und Doel 2 bei Antwerpen gegen europäisches Recht verstoße. Aber allein im Juli 2019 verließen sechs Brennelementtransporte Lingen für diese beiden Reaktoren – mit Genehmigung des Bundesumweltministeriums.

Demo in Lingen am 26.10.2019
Demo in Lingen am 26.10.2019
Foto: Ulrich Mandel

An die dummen Römer in den Comics „Asterix und Obelix“ erinnerte in Lingen (wie immer) das Polizeiaufgebot (und ich wünschte mir Obelix herbei). Für eine Demo, die mit ihren Gesängen, Gewusel und bunten Fahnen ein bisschen an einen Kindergeburtstag erinnerte, und wegen des hohen Durchschnittsalters der durchweg friedfertigen Teilnehmer auf keinen Fall radikale Ausschreitungen erahnen ließ, waren die Polizist*innen deutlich zu martialisch aufgerüstet. Hinzu kam auch noch, dass sie scheinbar von uns erwarteten, dass wir einen Spießrutenlauf zwischen ihren Reihen dulden würden.

Demo in Lingen am 26.10.2019
Demo in Lingen am 26.10.2019
Foto: Ulrich Mandel

Die Demoleitung gab jedoch schon zu Beginn des Demonstrationszuges zu verstehen, dass wir uns diese Provokation durch die Polizeireihen (dort „Schwarzer Block“ genannt) nicht gefallen lassen. Die Sprecherin sagte sinngemäß, die Polizei würde so den Eindruck erwecken, als seien wir kriminell oder gewalttätig. Sie würde daher von der Polizei erwarten, dass sie sich zurückzieht. – So kam es dann auch. Die Polizeireihen zogen sich zurück und der Demonstrationszug startete. Immer dann, wenn die Polist*innen meinten, sich wieder seitlich aufreihen zu müssen, um den Demozug durchziehen zu lassen, blieb dieser jedoch stehen und die Staatsmacht musste sich deshalb immer wieder nach vorne verdrücken. Die Verweildauer auf der Strecke zog sich deshalb erfreulich hin, was die Wirkung der Demonstration erhöhte. Für Unterhaltung und wippende Beine bei dem Demonstrant*innen und Passant*innen sorgte währenddessen „Xamba“, eine  Trommelgruppe aus dem Wendland und drum herum.

Alles in allem also eine gelungene Wahrnehmung des Demonstrationsrechts. – Gerne wieder!

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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