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Der Kampf hat gerade erst begonnen

In Münster hat sich nun eine Stadtkoalition aus Grüne, SPD und Volt zu einem Bündnis zusammengerauft, um die Stadt Richtung Klimaneutralität zu führen. Doch kaum werden erste Grundzüge eines Politikwandels deutlich, ist diese Koalition schwerster Kritik ausgesetzt.

Vor welchen gesellschaftlichen Herausforderungen wir beim Kampf gegen die Klimakrise stehen, macht ein Blick nach Münster deutlich. Bereits die von der Stadtverwaltung umgesetzte Maßnahme, Radwege rot einzufärben, hatte zu einem Aufschrei der Entrüstung in der Öffentlichkeit geführt. Das war jedoch nur ein vager Vorgeschmack auf die Angriffe gegen die neue kommunale Mehrheitskoalition aus Grünen, SPD und Volt.

Für die Münsteraner Grünen ist die autofreie Innenstadt ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz. Dementsprechend hart wurde verhandelt. Wie es dabei zugegangen sein muss, lässt der Rücktritt des bisherigen Chefs der SPD-Ratsfraktion nur erahnen. Doch kaum sind die ersten Umrisse eines „Münster-Plans gegen die Klimakrise“ in der Öffentlichkeit sichtbar, setzt es Kritik von den politischen Gegnern und der einzigen, konservativen Tageszeitung vor Ort (Details dazu sind hier ausführlich dokumentiert).

So erwartbar dieser Ablauf der politischen Ereignisse sich aktuell darstellt, so erschreckend ist die Tatsache, wie angesichts existenzieller Krisen die gesellschaftlichen Bruchlinien immer noch entlang überholter und dysfunktionaler Argumentationsmuster laufen. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage: Wie geht denn eigentlich die Klimabewegung – nicht nur in Münster – mit dieser gesellschaftlichen Realität um?

Wer sich auch einmal mit Menschen außerhalb seiner links-grünen Filterblase unterhält, wird sich genau dieser Frage stellen müssen: Wieviel Veränderung und Einschränkung wollen wir den Menschen in den nächsten Jahren noch zumuten? Es reicht nun mal nicht aus, ständig neue Forderungen für eine Klimaschutzstrategie aufzustellen und die gesellschaftliche Kärnerarbeit dann der Politik, präziser den Grünen, zu überlassen. Auch die vielfach geforderten BürgerInnenräte sind da kein Allheilmittel, werden diese doch zu oft als taktische Ersatzhandlung für eine klare politische Positionierung eingesetzt.

Auch das ist – man muss es so deutlich sagen – Verantwortungsversagen.

Wir leben in einer Demokratie. Wahlen entscheiden über Politik. Mehrheiten müssen gewonnen werden – gesellschaftliche und dann auch politische. Wenn es uns als Klimabewegung nicht gelingt, die Menschen mitzunehmen beim Kampf gegen die Klimakrise, dann liegt das nicht an den Menschen, sondern an uns, dann waren unsere Strategien und unsere Argumente unzureichend.

Der Kampf um die Zukunft auf diesem Planeten – und damit auch in Münster – hat gerade erst begonnen. Es ist zuallererst ein Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen. Die Klimabewegung muss diesen Kampf endlich annehmen und mit aller Entschlossenheit führen – mit den Menschen und Gruppen, die guten Willens sind.

Nicht mehr viel Zeit bis zur zur #Klimawahl am 26.09.2021.

Beitragsbild: Hofschlaeger/pixelio.de

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