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Der Wald stirbt!

Die Situation in den Wäldern Deutschlands ist dramatisch. Der Klimawandel wird große Waldflächen zerstören. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) hat daher den Klimanotstand für den Wald ausgerufen.

Keine zwei Wochen ist es her, dass ich mit einem befreundeten Förster abends ins Gespräch kam und mich nach der aktuellen Situation in den Wäldern erkundigte. Seine kurze und knappe Antwort:

„Zeige mir eine Fichte, von der Du meinst, sie wäre noch gesund, und ich beweise Dir, dass sie krank ist.“

An dem Abend hatte ich diese Einlassung noch mit einem Schulterzucken abgetan und wenige Minuten später war bereits das Thema gewechselt.

Am 16.07.2019 veröffentlichte der Bund Deutscher Forstleute eine Pressemitteilung, in der Klimanotstand für den Wald ausgerufen wird:

„Für den Wald habe ich daher heute den Klimanotstand ausgerufen. Es sind alle Anstrengungen zu unternehmen, um unsere Wälder als prägendes grünes Drittel unseres Landes und systemrelevante Lebensgrundlage zu erhalten! Nur so werden wir dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht!“
Ulrich Dohle, Bundesvorsitzende des BDF

Ulrich Dohle, Bundesvorsitzende des BDF, sieht in dem Klimawandel die Ursache für das massenhafte Sterben der Bäume: „Das sind keine einzelnen ungewöhnlichen Wetterereignisse mehr. Das ist der Klimawandel.“

Wenige Tage zuvor hatte bereits der BUND Naturschutz in Bayern e.V. auf die dramatische Situation hingewiesen. Die Naturschützer sprechen dabei schon von einem Waldsterben 2.0, welches durch den Klimawandel verursacht wird. Die Verantwortlichen werden in der Mitteilung der BUND-Gruppe deutlich benannt:

„Verantwortlich dafür machen wir die Politik, weil sie über Jahre hinweg versäumt hat, wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz des Klimas – und damit auch zum Schutz der Wälder – auf den Weg zu bringen.“

Für einen Moment hält man angesichts dieser Schlagzeilen inne und fragt sich: Ist es wirklich so schlimm. Wenigen Zeilen später erfährt man dann, dass es noch viel schlimmer ist, als man es sich bisher vorgestellt hatte:

  • Der größte Schwarzkiefernbestand Deutschlands im Landkreis Würzburg ist zu ca. 80 % massiv geschädigt.
  • Mit der Rotbuche zeigt auch die wichtigste Laubbaumart und „Mutter des Waldes“ in unseren Wäldern deutliche und regional sogar bestandesweite Absterbeerscheinungen.
  • Durch Pilzerkrankungen an der Ulme und der Esche sind bereits zwei wichtige Baumarten in vielen Wäldern so gut wie verloren gegangen. Bei der Baumart Ahorn zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.
  • In den Mittelgebirgen und in Südbayern rafft der Borkenkäfer zahlreiche Fichten dahin, die durch Hitze und Trockenheit geschwächt sind.
  • Die Ausbreitung der Fichten-Borkenkäfer ist in einigen Privatwäldern so massiv, dass manche Waldbesitzer den Kampf aufgegeben haben.
  • Als Alternativen zu diesen besonders gefährdeten Baumarten gelten Eichen, Buchen und Weißtannen, die aber auch unter Stress stehen und eine Klimaerwärmung von 4 bis 5 °C wohl nicht überleben würden.
  • Zahlreiche zentrale Leistungen dieser Wälder für die Daseinsvorsorge würden stark beeinträchtigen und gefährden wie z.B. Trinkwasser-, Hochwasser-, Klima-, Boden-, Lawinen- und den Biotopschutz dieser Wälder.

BUND und BDF weisen darüber hinaus darauf hin, dass auch schlicht die Kapazitäten für die Aufarbeitung der Borkenkäferschäden fehlen würden. „Während wir Forstleute seit fast zwei Jahren mit der Beseitigung der bisher eingetretenen Schäden beschäftigt sind -und ein Ende ist nicht absehbar- bleibt die wichtige Zukunftsaufgabe, die Wälder klimastabil zu entwickeln, vielfach auf der Strecke. Wir sind einfach zu wenige geworden, um die Lage noch zu beherrschen!“, macht Dohle auf den massiven Personalschwund im Wald in den vergangenen zwanzig Jahren aufmerksam, bei dem etwa 50% der Forstbeschäftigten abgebaut worden sind.

Sowohl der BUND als auch der BDF fordern die Politik zum Handeln auf. Zum einen müssen Maßnahmen wie Tempolimit und Klimaschutzgesetze sofort angegangen werden, so die Naturschützer aus Bayern. Der Bund Deutscher Forstleute fordert die Einberufung eines Nationalen Waldgipfels, um zu retten, was noch zu retten ist.

Für diesen Artikel habe ich nochmals mit dem Förster telefoniert. Neben der massiven Kritik an die Politik wird auch der eigene Bundesverband nicht verschont, der es versäumt habe, frühzeitig angemessen auf die Bedrohung durch den Klimawandel hinzuweisen. Am Ende des Gesprächs ist aber auch eine Menge Resignation zu spüren angesichts der eigenen Machtlosigkeit.

Nachdem das Telefonat beendet war, erinnerte ich mich an ein anderes Telefongespräch kurz nach Beginn der Kampagne #Klimanotstand in jedem Rathaus. Ein Journalist bat mich damals darum, ihm eine Kontaktperson zu benennen, die direkt vom Klimawandel betroffen wäre. Heute würde ich ihn in den Wald schicken, zu meinem Förster.

Der Wald stirbt! Und wir schauen dabei zu. Achselzuckend.

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