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„Die Bedenken junger Demonstranten sind berechtigt“

Titelblatt Science 12.04.2019

„Concerns of young protesters are justified“

Mit diesem Titel veröffentlichte die angesehene und bekannte Wissenschaftszeitschrift „Science“ gerade eine Stellungnahme der Scientists For Future (S4F) (Wissenschaftler für die Zukunft). Der Artikel beginnt mit den folgenden Worten:

The world’s youth have begun to persistently demonstrate for the protection of the climate and other foundations of human well-being. (1, 2). As scientists and scholars who have recently initiated similar letters of support in our countries, we call for our colleagues across all disciplines and from the entire world to support these young climate protesters (3). We declare: Their concerns are justified and supported by the best available science. The current measures for protecting the climate and biosphere are deeply inadequate.
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Wir haben hier

Unsere Übersetzung

Die Jugend der Welt hat begonnen, beharrlich für den Schutz des Klimas und anderer Grundlagen des menschlichen Wohlbefindens zu demonstrieren. (1,2). Als Wissenschaftler und Gelehrte, die kürzlich ähnliche Unterstützungsschreiben in unseren Ländern initiiert haben, rufen wir unsere Kollegen aus allen Disziplinen und aus der ganzen Welt dazu auf, diese jungen Klimaschützer zu unterstützen (3).

Wir erklären: Ihre Anliegen sind berechtigt und werden von der besten verfügbaren Wissenschaft unterstützt. Die derzeitigen Maßnahmen zum Schutz von Klima und Biosphäre sind zutiefst unzureichend.

Nahezu jedes Land hat das Pariser Abkommen von 2015 unterzeichnet und ratifiziert, das völkerrechtlich verpflichtend ist, die globale Erwärmung deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, um den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen (4). Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass eine globale Erwärmung von 2°C anstelle von 1,5°C die klimabedingten Auswirkungen und das Risiko, dass einige irreversibel werden, erheblich erhöhen werden (5). Angesichts der ungleichmäßigen Verteilung der meisten Auswirkungen würde eine Erwärmung von 2°C die bestehenden globalen Ungleichheiten zusätzlich verstärken (5).

Es ist wichtig, sofort mit einer raschen Reduktion der CO2- und anderer Treibhausgasemissionen zu beginnen. Das Ausmaß der Klimakrise, das die Menschheit in der Zukunft erleben wird, wird von unseren kumulierten Emissionen bestimmt. Eine schnelle Reduzierung begrenzt den Schaden. So hat das internationale Gremium für Klimaänderung (IPCC) vor kurzem festgestellt: Wenn sich die CO2 -Emissionen bis 2030 (im Vergleich zum Stand von 2010) halbieren und die Netto-Null-CO2 -Emissionen bis 2050 (sowie starke Reduktionen bei anderen Treibhausgasen) weltweit erreicht werden, würde eine 50%ige Chance für eine Erwärmung unter 1,5°C ermöglicht (5). In Anbetracht der Tatsache, dass die Industrieländer die meisten Emissionen erzeugen und mehr davon profitierten, haben sie die ethische Verantwortung, diesen Übergang schneller zu erreichen als die Welt insgesamt (4,6).

Es gibt bereits viele soziale, technologische und ökologische Lösungen. Die jungen Demonstranten fordern zu Recht, dass diese Lösungen genutzt werden, um eine nachhaltige Gesellschaft zu erreichen (7). Ohne mutiges und fokussiertes Handeln ist ihre Zukunft in kritischer Gefahr. Es ist keine Zeit zu warten, bis sie an der Macht sind.

Die Politik hat die große Verantwortung, rechtzeitig die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Es bedarf einer Politik, um klimafreundliche und nachhaltige Maßnahmen einfach und kostengünstig zu gestalten und klimaschädliche Maßnahmen unattraktiv und teuer zu machen. Beispiele sind effektive CO2-Preise und –Regelungen; Einstellung der Subventionen für klimaschädliche Maßnahmen und Produkte, Effizienzstandards, soziale Innovationen und massive gezielte Investitionen in Lösungen wie erneuerbare Energien, sektorübergreifende Elektrifizierung, öffentliche Verkehrsinfrastruktur und Nachfragereduzierung. Eine sozial gerechte Aufteilung der Kosten und des Nutzens von Klimaschutzmaßnahmen erfordert bewusste Aufmerksamkeit, ist aber sowohl möglich als auch notwendig (8).

Die enorme Basismobilisierung (2) der Jugendklimabewegung – darunter Fridays for Future, School (or Youth) Strike 4 Climate, Youth for (or 4) Climate, and Youth Climate Strike (7) – zeigt, dass junge Menschen die Situation verstehen. Wir billigen und unterstützen ihre Forderung nach schnellem und kraftvollem Handeln. Wir sehen es als unsere soziale, ethische und wissenschaftliche Verantwortung, unmissverständlich zu sagen: Nur wenn die Menschheit schnell und entschlossen handelt, können wir die globale Erwärmung begrenzen, das anhaltende Massensterben von Tier – und Pflanzenarten stoppen und die natürlichen Grundlagen für die Umwelt schaffen, Nahrungsversorgung und Wohlbefinden heutiger und zukünftiger Generationen. Das wollen die Jugendlichen erreichen. Sie verdienen unseren Respekt und volle Unterstützung.

Mehr dazu:


Zusatzmaterialien (Supplementary Materials)

Liste der Unterzeichner (List of signatories):
www.sciencemag.org/content/364/6436/139.2/suppl/DC1

Dies ist ein Artikel, der unter den Bedingungen der Science Journals Default License veröffentlicht wurde.

Verweise und Hinweise (References and Notes)

  1. M. Warren, Nature 567, 291 (2019).
  2. “Pictures from youth climate strikes around the world,” The New York Times (2019);
    www.nytimes.com/2019/03/15/climate/climate-school-strikes.html.
  3. Please show support by signing the open letter at
    https://www.scientistsforfuture.org/international/.
  4. United Nations Framework Convention on Climate Change, “Decision 1/CP.21: Adoption of the Paris Agreement,”(Paris, France, 2015);
    https://unfccc.int/files/essential_background/convention/application/pdf/english_paris_agreement.pdf.
  5. IPCC, “Summary for policymakers: Global warming of 1.5 °C—An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5 °C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty,” V. Masson-Delmotte et al., Eds. (IPCC, World Meteorological Organization, United Nations Environment Programme, Geneva, Switzerland, 2018);
    https://www.ipcc.ch/report/sr15.
  6. C. Kolstad et al., in Climate Change 2014: Mitigation of Climate Change: Contribution of Working Group III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, O. Edenhofer et al., Eds. (Cambridge Univ. Press, Cambridge, UK, 2014).
  7. Fridays for Future (https://www.fridaysforfuture.org).
  8. IPCC, Climate Change 2014: Synthesis Report: Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Core Writing Team, R. K. Pachauri, L. A. Meyer, Eds. (IPCC,Geneva, Switzerland, 2014).

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Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten, sondern diesebei uns einreichen.

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