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Vertrockneter, rissiger Acker

Die Klimakrise – ein humanitärer Notfall

Logo Humanitarian Congress Berlin

Wir haben hier eine Übersetzung des Originals „The climate crisis – a humanitarian emergency“ aus dem Internetportal des humanitarian congress Berlin (17-18.10.2019):

Ärzte der Welt, das Deutsche Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen Deutschland und die Ärztekammer Berlin sowie Greenpeace appellieren an die Industrieländer, sich ihrer besonderen Verantwortung für die Klimakrise zu stellen und zu handeln.

Die Klimakrise ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine humanitäre Katastrophe. Seine Auswirkungen sind bereits weltweit spürbar und betreffen alle. Der Klimawandel löst bereits humanitäre Krisen aus oder verschärft deren Folgen – eine Entwicklung, die sich noch weiter verstärken wird. Die jüngsten Berichte des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (‚Intergovernmental Panel on Climate Change“, IPCC) warnen eindringlich vor irreversiblen, dramatischen Folgen für Mensch und Natur, wenn wir den Anstieg der globalen Temperatur nicht auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir die Treibhausgasemissionen schnell und drastisch reduzieren. Wir sind mit einer Klimakrise konfrontiert, die verheerende Folgen für die globale Gesundheit und die humanitäre Situation weltweit hat. Vor allem die von Armut betroffenen Menschen leiden heute unter den Folgen des Klimawandels und werden von zukünftigen klimabedingten Schäden am stärksten betroffen sein.

Als humanitäre Organisationen und Ärzte erleben wir, wie Umweltfaktoren humanitäre Krisen täglich verschärfen können. Die Klimakrise ist ein humanitärer Notfall.

Anfang dieses Jahres wurde nach den dramatischen Überschwemmungen durch den Zyklon Idai[1] eine massive Notfalloperation in Mosambik gestartet. Wenige Wochen später, als die Menschen noch mit den Folgen der ersten Katastrophe zu kämpfen hatten, traf ein zweiter Hurrikan das Land. Es war das erste Mal in der Geschichte[2], dass in einer einzigen Saison zwei Wirbelstürme Mosambik heimsuchten. Das Ausmaß der Schäden, die durch diese aufeinander folgenden Katastrophen verursacht wurden, war ein Weckruf[3], um sich auf schwerere tropische Wirbelstürme, Küstenüberschwemmungen und schwere Regenfälle im Zusammenhang mit dem Klimawandel vorzubereiten, so eine Erklärung der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO) der Vereinten Nationen. Überschwemmungen stellen auch ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Cholera dar. Der Zyklon hinterließ auch große Flächen mit stehendem Wasser und ist damit ein idealer Brutplatz für die Ausbreitung von Moskitos[4]. Darüber hinaus überfluteten die Wasserflächen kurz vor der Erntezeit Felder, zerstörten schätzungsweise 1,8 Millionen Hektar Nutzfläche und bedrohten die Ernährungssicherheit in einem Gebiet, in dem die Menschen bereits von Unterernährung bedroht sind[5].

Bei wärmeren Temperaturen, steigendem Meeresspiegel und starken Niederschlägen ist mit einem Anstieg der klimasensitiven Krankheiten[6] zu rechnen. Dazu gehören neben Krankheiten wie der Cholera auch vektorübertragene Krankheiten, die durch eine wachsende Zahl von Mücken und Zecken verbreitet werden, wie Malaria, Dengue-Fieber und Borreliose. Das starke Dengue-Fieber betrifft die meisten lateinamerikanischen und asiatischen Länder und ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) eine der Hauptursachen für den Krankenhausaufenthalt und den Tod von Kindern und Erwachsenen in diesen Regionen. Weltweit hat sich die Prävalenz des Dengue-Fiebers in den letzten fünfzig Jahren auf rund 390 Millionen Infektionen im Jahr 2010 verzwanzigfacht. Dies ist zum Teil auf steigende Temperaturen und die damit verbundene Ausbreitung der Mückenarten zurückzuführen, die die Krankheit übertragen und verbreiten[7]. Honduras ist vom Klimawandel besonders betroffen und hat nach einer langen Regenzeit mit dem schwersten Ausbruch von Dengue-Fieber seit 50 Jahren zu kämpfen[8].

Für jede Schlagzeile in Europa gibt es weltweit eine Vielzahl von Katastrophen und damit verbundenen humanitären Krisen.

Wir erleben Unterernährung aufgrund von Dürre und Wasserknappheit an Orten wie dem Tschadsee in der Sahelzone. Der Tschadsee war einst einer der größten Seen Afrikas und eine wichtige Wasserquelle für die Menschen in den Nachbarländern Tschad, Kamerun, Nigeria und Niger. Überbeanspruchung und Dürre haben dazu geführt, dass die Menschen nicht genügend Wasser zum Trinken, Kochen oder Waschen haben, geschweige denn zum Bewässern ihrer Pflanzen, um zukünftige Erträge zu sichern. Vor allem Kinder sind einem hohen Risiko der Unterernährung ausgesetzt, was wiederum ihre Entwicklung beeinträchtigt und ihr Immunsystem schwächen kann. Dies macht sie anfälliger für andere tödliche Krankheiten wie Malaria. Schätzungen zufolge sind 422 Millionen Menschen in 30 Ländern aufgrund von klimabedingten Problemen bei der Nahrungsmittelproduktion unterernährt[9].

Klimawandel und Umweltzerstörung werden zu einem Rekordmaß an Migration und Vertreibung beitragen. Die Schätzungen sind sehr unterschiedlich, aber die am häufigsten zitierte Prognose ist, dass die aktuellen Trends rund 200 Millionen Klimamigranten bis 2050 vorhersagen[10]. Menschen, die aufgrund des Klimawandels gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen, sind nach wie vor einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt. Sie verlieren Unterstützungssysteme und sind oft extrem anfällig für Gewalt und Krankheiten.

Besonders tragisch ist, dass die negativen Auswirkungen der Klimakrise am stärksten von den Ländern getragen werden, die die niedrigsten Treibhausgasemissionen verursachen und von denen viele von Armut betroffen sind. Die Auswirkungen der Klimakrise betreffen daher viele Länder und Menschen, denen es besonders schwer fällt, sich an sich schnell verändernde und herausfordernde Bedingungen anzupassen. Viele Gemeinden reagieren bereits auf die Folgen der Klimakrise, werden aber allzu oft verlassen.

Erschwert wird die Situation noch dadurch, dass Umweltaktivisten aus der ganzen Welt, die sich seit Jahrzehnten gegen den Klimawandel engagieren, sowie humanitäre Akteure zunehmend Einschränkungen und Kriminalisierung ausgesetzt sind. Sie werden als Terroristen bezeichnet[11] und werden in ihrer Arbeit durch staatliche oder private Akteure behindert. Wie humanitäre Akteure setzen viele Umweltschützer täglich ihr eigenes Leben aufs Spiel. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir mit anderen Akteuren zusammenarbeiten, um zu einer stärkeren Bewegung beizutragen.

Entschlossene Maßnahmen gegen Klimawandel und Umweltzerstörung zu ergreifen, ist nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern auch unsere gemeinsame Verantwortung.

Wir selbst müssen mit gutem Beispiel vorangehen und die Umweltauswirkungen unserer eigenen Hilfsmaßnahmen berücksichtigen. Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass humanitäre Aktionen nicht mehr Schaden anrichten als sie Gutes bewirken. Die Klimakrise ist zweifellos von Menschen verursacht, und die Aufgabe der Menschheit ist es, sie zu bekämpfen.

Dabei müssen die am stärksten Benachteiligten und die am stärksten Betroffenen im Einklang mit den humanitären Grundsätzen im Mittelpunkt stehen. Als Organisationen der Zivilgesellschaft liegt es in unserer gemeinsamen Verantwortung, entschlossen gegen die Klimakrise und die Zerstörung der Umwelt vorzugehen. Die Industrieländer, darunter auch Deutschland, tragen als Hauptursache für die Klimakrise eine besondere Verantwortung. Sie müssen ihre eigenen Emissionen viel stärker reduzieren als bisher geplant und gleichzeitig ärmere Länder dabei unterstützen, sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen und eine klimafreundliche Wirtschaft aufzubauen. Sie sind verpflichtet, ihre Verantwortung für die humanitären Folgen ihrer Emissionen und die Not der Betroffenen zu übernehmen. Die Industrieländer müssen gegen die Klimakrise vorgehen, bevor sie humanitäre Katastrophen vermehrt – zum Wohle der Menschheit und des Planeten.

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