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Farben der Klimaveränderungen seit 1884 bis 2019

Ein Königreich für ein Endlager – reloaded

Nicht nur die Kernenergie benötigte eine sichere Einlagerung für tödlichen Atommüll. Auch fossile Energieträger machen eine Endlager-Debatte erforderlich. Diese wird aber nicht geführt – mit fatalen Folgen.

350 ppm – das ist die Maßzahl für eine klimastabile Konzentration von CO2 in der Atmosphäre, unter der eine menschliche Zivilisation mit den Errungenschaften von Ackerbau und Viehzucht gedeihen kann.

CO2 in der Atmosphäre
CO2 in der Atmosphäre

“If humanity wishes to preserve a planet similar to that on which civilization developed and to which life on Earth is adapted, paleoclimate evidence and ongoing climate change suggest that CO2 will need to be reduced from [current levels] to at most 350 ppm.”
Dr. James Hansen

Aktuell misst das Mauna Loa Observatorium auf Hawaii eine CO2-Konzentration von über 410 ppm mit einer Wachstumsrate von über 2 ppm pro Jahr. Die World Meterological Organization hat in dem ‚United in Science 2020 Report‘ die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Treibhausgaskonzentration abgeschätzt. Die Untersuchung, die mit u.a. dem Global Carbon Project (GCP), dem Weltklimarat  (IPCC) und dem UN Environment Programme (UNEP) durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis:

„Der geschätzte Rückgang [von CO2-Emissionen] für 2020 als Folge des COVID-19-Shutdowns (4%-7% im Vergleich zu 2019 nach Angaben des Global Carbon Projects) würde zu einer Absenkung der CO2-Wachstumsrate für 2020 um 0,08 ppm auf 0,23 ppm pro Jahr führen, welche innerhalb der normalen jährlichen Variabilität von 1 ppm liegt.“

Diese Daten beschreiben ein Katastrophen-Szenario.

Der IPCC-Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung – SR1.5 von 2018 hält unmissverständlich fest:

„Unterschiedliche Minderungsstrategien können die Netto-Emissionsminderungen erzielen, die erforderlich wären, um einem Pfad zu folgen, der die globale Erwärmung ohne oder mit geringer Überschreitung auf 1,5 °C begrenzt. Alle Pfade nutzen die Entnahme von Kohlendioxid … „

Zwei Jahre sind seit der Veröffentlichung des IPCC-Reports verstrichen, ohne dass es auch nur eine wirksame Klimaschutzmaßnahme bis zur Umsetzung gebracht hat, weder in Deutschland, noch in Europa, noch weltweit. CCS-Projekte werden im Ausland gefördert, insbesondere dort, wo Erdgaslagerstätten als Endlager für CO2 genutzt werden können. In Deutschland geht die Bundesregierung dem Konflikt mit der Zivilgesellschaft um die Endlagerung aus dem Weg, obwohl aus dem Bundeswirtschaftsministerium regelmäßig auf den Einsatz der Technologie hingewiesen wird.

Norwegen startet mit dem Projekt ‚Longship‘ bereits den zweiten Versuch, CCS im industriellen Maßstab einzusetzen. Dabei soll CO2, dass u.a. bei der Zementherstellung anfällt, aufgefangen und verflüssigt werden. Als Endlager sind ausgebeutete Erdgasfelder in der Nordsee vorgesehen. In dem Milliarden-Projekt sieht die Norwegische Regierung auch ein Geschäftsmodell für die Zukunft, in der mit den fossilen Rohstoffen Norwegens kein Geld mehr zu verdienen ist.

Emissionsreduktion gemäß nationaler Klimaziele bzw. Paris-kompatiblem Budget für Deutschland, nach: SRU 2020

Noch 2018 urteilte das Umweltbundesamt über CCS in Deutschland:

„Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Anwendung von CCS nicht erforderlich, um die Klimaschutzziele in Deutschland zu erfüllen. Daher wird CCS bei nachhaltigen Klimaschutzszenarien im Energiesektor nicht berücksichtigt.“

Vor dem Hintergrund, dass Deutschland unzureichende Klimaziele formuliert hat und selbst diese nur unter Pandemie-Bedingungen erreichen wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Diskussion um die Endlagerung von CO2 Fahrt aufnehmen wird. Damit wird die CCS-Endlager-Debatte schnell zu einem Glaubwürdigkeits-Check für die Klimaschutzbewegung. Denn die Frage lautet schlichtweg: Welchen Preis sind wir als Gesellschaft zu zahlen bereit für wirksamen Klimaschutz?

Wegducken vor einer Antwort ist verantwortungslos.

 

 

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