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‚Ein Umweltgutachten ist keine Zirkusveranstaltung‘

Leserbrief von Martin Bußmann / WA 09.05.2020
(Zoom mit Klick)

In einem Leserbrief im Westfälischen Anzeiger vom 9. Mai 2020 wird eine Denkweise deutlich, die leider nicht selten ist. Ich zitiere daraus:

“ (…) Umweltverträglichkeitsprüfungen und Bürgerbeteiligung […] wurden […] instrumentalisiert und pervertiert. Wenn scheinbar alles geprüft ist, findet man […] noch die Schleimspur eines Regenwurms (selten), den Schiss einer Fledermaus […] und der ganze UVP-Zirkus geht von vorne los! (…)

Dieses konnte Ulrich Schölermann, Herausgeber der Zeitschrift „ÖKOLOGISCH“ natürlich nicht so stehen lassen. Seine Antwort wurde am 20. Mai 2020 im Westfälischen Anzeiger veröffentlicht:

Leserbrief von Ulrich Schölermann / WA 20.05.2020
(Zoom mit Klick)

In Deutschland herrscht die freie Meinungsäußerung – und das ist gut so! Das gilt auch für das Verfassen von Leserbriefen, sofern sie nicht ehrverletzend oder beleidigend sind. Was Martin Bußmann am 09.05.2020 aber zum Thema Umweltprüfungen in seinem Leserbrief „Billigmurks am Bau“ (Anlass ist der Neubau der Leverkusener Rheinbrücke) geschrieben hat, das ist mehr als grenzwertig!

Zitat: „Umweltprüfungen und Bürgerbeteiligung sind grundsätzlich eine gute Sache, wurden aber von der Wir-sind-gegen-Alles-Partei für ihre Zwecke instrumentalisiert und pervertiert. Wenn scheinbar alles geprüft ist, findet man – oh Wunder – auf der Baustelle noch die Schleimspur eines Regenwurms (selten), den Schiss einer Fledermaus (sehr selten) oder die Schamhaare eines Feldhamsters (äußerst selten) – und der ganze UVP-Zirkus geht von vorne los!“ Zitatende.

Solch hanebüchenen Äußerungen kann der Schreiber am Biertisch herausposaunen und wird dort vielleicht sogar Zustimmung finden. Einerseits sind diese Behauptungen so grenzenlos unsachlich, dass man sie eigentlich unkommentiert im Raum stehen lassen müsste, aber andererseits werden sie von der Öffentlichkeit wahr genommen, vielleicht sogar verinnerlicht.

Die von Martin Bußmann angesprochenen Umweltprüfungen werden von Gutachtern durchgeführt und von politischen Entscheidungsträgern bewertet; das ist keine Zirkusveranstaltung! Die Verfahren sind soweit seriös, wie sie in einer Demokratie seriös sein können – das geht schon sehr weit! Nicht immer ist jedes Gutachten nachvollziehbar, denn auch Experten werden von ihrer eigenen Vorstellung geleitet. Ob es eine 100prozentige Neutralität in der Entscheidungsfindung auch eines Gutachters geben kann, möchte ich gar nicht bewerten. Deutlich wird, dass Martin Bußmann Umweltprüfungen und Bürgerbeteiligung eben nicht für eine gute Sache hält.

Diese Wortwahl und die in der Sache völlig daneben geratenen Biertischparolen eines Unwissenden wie Martin Bußmann tragen weder zu einer vernünftigen Diskussion bei noch sind sie akzeptabel! Sie sind schlicht und einfach – zu neudeutsch – ein Fake! Leider sind Natur- und Umweltbelange oftmals das Ziel solcher Verunglimpfungen.

Ulrich Schölermann, Hamm

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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