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Eine Energiewende für Russland

System Change Camp Hamburg – Alternativer Nobelpreisträger stellt Plan für eine Energiewende in Russland vor

Am 12. August 2022 wird Vladimir Slivyak, Co-Vorsitzender der russischen Umweltgruppe Ecodefense, auf dem System Change Camp sprechen. Schwerpunkt seines Beitrags ist die Energiewende in Russland. Vorgestellt wird eine Perspektive für Russlands Ausstieg aus fossilen und nuklearen Brennstoffen und wie eine 100 % erneuerbare Zukunft ausgestaltet werden könnte.

Ecodefense wurde 1989 in Russland gegründet und kämpft gegen Atomkraft und fossile Brennstoffe. Seit 1998 stoppte es erfolgreich den Import von Atommüll aus Bulgarien, Ungarn, Deutschland und anderen Ländern nach Russland. Es gelang Ecodefense, den Bau des Kernkraftwerks in der Nähe von Kaliningrad, Russland, im Jahr 2013 zu stoppen. Die Umweltgruppe unterstützte lokale Aktivisten, den Bau von 8 Kernreaktoren in Südafrika im Jahr 2017 zu stoppen. Ecodefense war die erste Umweltgruppe, die mit einer Kampagne gegen den Kohlebergbau in Russland begann.

Im Jahr 2014 nahm die russische Regierung Ecodefense in eine Liste „ausländischer Agenten“ auf und leitete über 20 Gerichtsverfahren gegen die Gruppe ein. Mehrere Aktivisten von Ecodefense mussten Russland aufgrund von Repressionen verlassen.

2021 erhielt Vladimir Slivyak, Mitbegründer von Ecodefense, den Alternativen Nobelpreis für seine Umweltaktion. Im Jahr 2022 hat Ecodefense vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein Gerichtsverfahren gegen die russische Regierung gewonnen. Die Gerichtsentscheidung besagt, dass die Kennzeichnung von Ecodefense und vielen anderen zivilen Gruppen in Russland als „ausländischer Agent“ gegen die Menschenrechtskonvention verstößt.

Historisch gesehen hat Russland den Klimawandel nie ernst genommen und nie wirklich ernsthafte Klimaschutzmaßnahmen im Inland geplant. Die russische Regierung hat immer geplant, mehr Kohle, Öl und Gas zu fördern und an andere Länder zu verkaufen. Es war nie beabsichtigt, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Der Export fossiler Brennstoffe war für einige Jahrzehnte die größte Einnahmequelle des Staatshaushalts.

Gleichzeitig ist Russland einer der größten Verursacher von Treibhausgasen auf der Erde. Dennoch ist wichtig zu erkennen, dass die Nachfrage nach mehr Kohle, Öl und Gas von westlichen Unternehmen, insbesondere in der EU, stimuliert wurde. Aus diesem Grund nahm zum Beispiel die Förderung von Kohle über viele Jahre zu, während in Russland der Einsatz von Kohle stetig zurückging.

Laut Ecodefense ist es möglich, dass Russland bis Mitte des Jahrhunderts fossil- und nuklearfrei sein könnte, wenn die Klima- und Energiepolitik des Landes verändert würde. In der Studie, die 2021 von der russischen Energiewissenschaftlerin Tatyana Lanshina und Vladimir Slivyak von Ecodefense gemeinsam verfasst wurde, wird ein Szenario von 7 Schritten skizziert. Dieser Plan ist technisch realistisch und erfordert vor allem einen starken politischen Willen.

1. Staatliche Subventionen für fossile Brennstoffe müssen komplett gestoppt werden.

2. Fossile und nukleare Kraftwerke dürfen nicht mehr gebaut werden.

3. Alle fossilen und nuklearen Anlagen müssen am Ende der Betriebszeit stillgelegt werden (keine Verlängerungen).

4. Alle fossilen und nuklearen Anlagen, die stillgelegt werden, müssen ausschließlich durch Wind- und Solaranlagen ersetzt werden.

5. Um Mittel für neue erneuerbare Anlagen zu erhalten, muss Russland ein eigenes CO2-Steuersystem einführen.

6. Die Energiewende muss eine gerechte Umstellung sein – ArbeitnehmerInnen, die im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen ihren Arbeitsplatz verloren haben, müssen unterstützt werden.

7. Erste Anstrengungen und Investitionen müssen in die Regionen gehen, in denen erneuerbare Energien bereits einigermaßen entwickelt sind, und ihre Erfahrungen dann auf neue Bereiche verteilen. Regionen, die stark von der Gewinnung fossiler Brennstoffe abhängig sind, müssen auch zu den ersten gehören, die erneuerbare Energien entwickeln. Die Nachfrage der Unternehmen nach erneuerbaren Energien muss ebenso stimuliert werden wie eine spezielle Ausbildung, die es den Menschen ermöglichen würde, Arbeitsplätze in der Branche der erneuerbaren Energien zu finden.

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