Skip to main content
Mahnwache Tschernobyl & THTR-300 in Hamm-Uentrop, 25.04.2021

Erinnerungen an eine dunkle Zeit vor 35 Jahren

Mahnwache THTR-300 in Hamm-Uentrop, 25.04.2021
Mahnwache THTR-300 in Hamm-Uentrop, 25.04.2021 (C) Uli Mandel

Wenn sich 80 Gleichgesinnte mit dem Fahrrad aus Hamm, Beckum und Ahlen auf den Weg machen, um sich nach 35 Jahren treffen, gibt es häufig was zu feiern. Am vergangenen Sonntag war der Anlass jedoch ein trauriger, denn 1986 ereignete sich die bis dahin schwerste Nuklearkatastrophe im Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl.

Die in der Nähe liegende ukrainische Stadt Prypjat mit 49.300 Einwohnern (darunter 15.000 Kinder) musste direkt danach geräumt werden und ist seitdem eine Geisterstadt. Dass ein atomarer Unfall ganz schnell globale Dimensionen annimmt, zeigte sich schon kurz danach, als die lebensgefährliche radioaktive Wolke mit hohen Strahlenwerten Richtung Westen zog.

Benigna Grüneberg während der Mahnwache
Benigna Grüneberg sagte schon 1986: „STOP – bis hier hin und nicht weiter!“ (C) Begett

An all diese damaligen Ereignisse und die Auswirkungen nicht nur in Deutschland erinnerte Benigna Grüneberg: „Es wurde davon abgeraten, Kinder im Sand spielen zu lassen, Gastronomen vernichteten Lebensmittel und Bauern konnten ihre Tiere nicht weiden lassen. In Italien durfte 14 Tage lang kein Gemüse verkauft, in Polen keine Rinder exportiert werden.“

Werner Jäger-Kersting sprach für die in Kürze 45 Jahre alte Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz und erinnerte daran, dass sich im Schatten der Katastrophe im THTR-300, einem Versuchsreaktor in Hamm-Uentrop, ein Störfall ereignete, bei dem radioaktiver Staub freigesetzt wurde, was zu einer erhöhten Strahlenbelastung in der Umgebung führte. Als Folge der Ereignisse ließ die BI nicht locker und organisierte Demonstrationen, Blockaden und gemeinsam mit der Initiative „Bauern und Verbraucher gegen Atomenergie“ einen Treckertreck nach Düsseldorf. Auch weitere Störfälle, Inbetriebnahmeprobleme, fehlende Messprotokolle und abgeschaltete Filter heizten die Diskussion auf der politischen Bühne an, was schließlich 1989 zur Stilllegung des Reaktors in Hamm führte.

Martin Kesztjüz, Wahlkreis-Kandidat von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, war damals sechs Jahre alt. Die Zeit nach dem Atomunfall ist ihm jedoch in Erinnerung geblieben, weil er plötzlich draußen vieles nicht mehr machen durfte, was er gewohnt war und weil sein Bruder ein Jahr später an Leukämie erkrankte, was der hohen Strahlenbelastung zugeschrieben wurde, aber nie bewiesen werden konnte. Aus seiner persönlichen Betroffenheit heraus bedankte er sich bei den meist älteren Akteuren für ihren unermüdlichen Einsatz.

Fotos von Sabine Begett:

Beitragsbild: Sabine Begett, 25.04.2021

Pressespiegel

DIE GLOCKE 23.04.2021
DIE GLOCKE 23.04.2021

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

Schreibe einen Kommentar