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Erlebensraum Lippeaue konterkariert den Naturschutz!

Pressemitteilung

der Landesgemeinschaft für Naturschutz und Umwelt NRW (LNU), Hamm
und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hamm.

Der Erlebensraum Lippeaue bekommt Beifall von Umweltschützern – aber nicht von allen! Der Naturschutzbund (NABU) freut sich offensichtlich über den Umbau der Lippeaue zwischen Münster- und Fährstraße, den die Stadt Hamm „Erlebensraum“ nennt. Damit ist auch sogleich der Knackpunkt dieser Planung genannt: Hier soll ein Erlebensraum auf Kosten des Naturschutzes geschaffen werden! Aber: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Auch die Landesgemeinschaft für Naturschutz und Umwelt (LNU) sieht die sinnvollen Aspekte der Planung. Ulrich Schölermann, der die LNU in Hamm bei der Beurteilung von Bebauungsplänen vertritt:

„Eine Flussaue ist ein hochsensibler, ökologisch wertvoller Lebensraum, der für viele wild lebende Tierarten von großer Bedeutung ist. Daher ist es sinnvoll, die Aue ökologischer zu gestalten. Aber: Sie liegt in Hamm-Mitte eingezwängt zwischen dem Kanal im Süden und der Bebauung im Norden. Hier sollte die Biotopentwicklung Vorrang genießen, nicht der Spaßfaktor für Menschen, die die Aue nutzen wollen.“

Michael Walterscheid, Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in gleicher Funktion:

„Wir begrüßen allein die Wiedervernässung der Aue. Liegewiese, Spielfläche, Veranstaltungsfläche mit entsprechendem Equipment auf einem Hochplateau mit Gastronomieangeboten und Dixiklos sowie ein Rundweg für Fußgänger, Radfahrer und Skater haben hier aber keinen Platz! Auch wenn der Rundweg der Deichpflege dient, wird er nicht nur für die Fahrzeuge und Mitarbeiter des Lippeverbandes größtenteils asphaltiert. Für alle angestrebten Nutzungen ist die Aue in unserer Stadt einfach zu schmal.“

Paul Ortmann, früherer Sprecher des BUND:

„Natürlich ist die Entwicklung dieses Flussabschnitts für den Hochwasserschutz sinnvoll! Die Verlegung des Deiches schafft Stauraum im Hochwasserfall. Dass in den Grünlandbereichen flache Blänken abgeschoben werden, stellt verloren gegangenen Lebensraum für Tierarten, die am Wasser leben, wieder her. Die Laufverlängerung der Lippe durch neu angelegte Flussschleifen ist eine weitere positive Entwicklung, von der die Aue profitiert. Was hierdurch positiv voran gebracht wird, konterkariert sich durch die Vorstellungen, hier eine Event-Aue mit Spaßcharakter schaffen zu wollen.“

Die Meinung der drei Naturschützer deckt sich nicht mit der Meinung des NABU. Was der NABU ausdrücklich lobt, sehen sie als eine völlig normale Entwicklung an. Natürlich entwickelten die Erden des leider völlig durcheinander gewirbelten gewachsenen Auebodens in kurzer Zeit wieder Grünbewuchs, und die Beobachtung von Grünschenkel und Flussuferläufer wäre auch in jeder Baustelle mit Feuchtcharakter zu erwarten. Die auf dem Durchzug ins Winterquartier hier beobachteten Arten nähmen jede Wasserstelle zur Rast und Nahrungssuche auf ihrem langen Flug an, sobald die Bauarbeiten ruhten. Dies müsse dem NABU eigentlich bewusst sein, es aber als positive Entwicklung zu deuten, sei völlig irrelevant.

Auch die Meinung des NABU-Vorsitzenden Olaf Ferner, der in der Sitzung des Umweltausschusses die These aufgestellt hatte, das Hochplateau diene der Besucherlenkung, halten BUND und LNU für falsch. „Hier werden keine Besucher gelenkt, sondern auf dem Plateau können die Menschen in alle Himmelsrichtungen ausschwärmen; das Gegenteil ist also der Fall.“

Ortmann, Schölermann und Walterscheid lehnen die Anlage des Hochplateaus als Bodendeponie in der Lippeaue rundweg ab: „Durch das Aufschütten des Hochplateaus wird der Lippeaue eine fünf Hektar große Überschwemmungsfläche genommen. Hochwasserschutz war aber bisher Sinn der Planung.“ Das Argument, dass 18.000 Lkw-Fahrten zur Verbringung des Bodenaushubs auf Deponien nun nicht mehr nötig seien zeige auf, wie umweltschädlich für das Klima die bisherige Planung war. „Über den überdimensionalen Umfang des Bodentransports hat bisher niemand die Öffentlichkeit konkret in Kenntnis gesetzt, das war noch nicht einmal in den zu beurteilenden Planungsunterlagen nachzulesen. Jetzt wird dieses Argument benutzt, um die aktuelle Planänderung schön zu reden.“

Diese Planänderung ist so erheblich, dass der Lippeverband ein neues Plangenehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung Arnsberg beantragen müsse. Stadt Hamm und Lippeverband wollen die Planung vollenden, aber sie sollten den Bürgern reinen Wein einschenken und ihnen nicht (Lippeauen-)Sand in die Augen streuen! Ein so umfassendes Planverfahren mit Hinterzimmergesprächen mit einigen Vereinsvertretern dürfe es nicht noch einmal geben. Dieses Vorhaben besitze ein Geschmäckle, das es in sich habe, so die Naturschutz-Verbandsvertreter der LNU und des BUND!

Mehr dazu

  • Artikel in WA-Online vom 16.11.2019 [PDF-Archiv]
  • Leserbrief vom 09.09.2019 „Diesen Beirat kann man einstampfen“

    Leserbrief von Ulrich Schölermann, Paul Ortmann, Michael Walterscheid und Robert Grunau, Hamm, 09.09.2019

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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