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Freiraumentwicklungskonzept eine Mogelpackung?

Leserbrief im Westfälischen Anzeiger vom 10.10.2020

von Carmen Dorothee Weller, Hamm – hier die ungekürzte Fassung:

Im Juli 2020 berichtete der WA über ein von der Stadt Hamm in Auftrag  gegebenes Gutachten über ein Konzept für die zukünftige Entwicklung u.a. des noch nicht versiegelten Freiraums innerhalb der Siedlungsbereiche der Stadt Hamm und zitierte aus dem von den Berliner Landschaftsarchitekten vorgelegten „Zwischenbericht“  die für die Stadt Hamm wichtigsten Zukunftsziele für die Bauleitplanung.

Die darin aufgeführten Feststellungen treffen sämtlichst zu, daran besteht sicherlich kein Zweifel. Der Status quo:

  • Viel zu wenig vorhandene Waldflächen und eine Unterversorgung mit Quartiersgrün. Vorhandene Grünzüge seien als Leitbahnen für die Frischluft zu sichern und darüber hinaus weiterzuentwickeln,  Grünflächen für vereinsungebundene Sportarten als Parkbereiche zu gestalten.
  • Der nicht-motorisierte Verkehr (Radler u. Fußgänger) sei durch Baumpflanzungen und Blühstreifen an den Straßen sowie die grundsätzliche Verbreiterung der Gehwege auf mindestens 3 Meter und der Radwege auf 4 Meter Standardbreite aufzuwerten.
  • Hinsichtlich der für Hamm erforderlichen Maßnahmen  zum Schutz der Bürger vor Hitze- und Starkregenereignissen empfehlen die Planer der Stadt Hamm u.a. Flächen zu entsiegeln.
  • Auch die Feststellung der beauftragten Planer, dass Wasser bei der Kühlung (der aufgeheizten Luft) eine wesentliche Rolle spiele und vor allem Regenwasser  dezentral verdunsten müsse und deshalb insbesondere bei zukünftigen Planungen die Schaffung von Versickerungsflächen und Rückhaltung von Regenwasser dringend angezeigt seien, ließ den Leser zunächst hoffen.

Doch ein Blick auf die Plangrafik brachte schnell Ernüchterung, denn der in Hamm-Berge (noch) befindliche „Regionale Grünzug“ zwischen Werler Str. (Rewe Markt) und dem geplanten Bahnhaltepunkt bis zum Südfeldweg, also der gesamte landwirtschaftlich genutzte  und damit naturnahe Bereich von ca. 50 ha ist einfach verschwunden! Es ist nur noch ein sehr schmaler Grünzugstreifen eingezeichnet. Ist hier ein Flächenverbrauch und damit eine endgültige Versiegelung von wasserspeichernden wertvollen Naturflächen in einer völlig unverhältnismäßigen Größenordnung vielleicht bereits schon beschlossene Sache? Damit würde jedenfalls die Vorgabe  der Berliner Planer: „Die vielfältigen Umweltfunktionen biodiverser urbaner Grünstrukturen und die Bedeutung als qualitative Lebensumwelt des Menschen erfordern es, naturnahe Flächen und Naturerlebnisräume im Siedlungsbereich zu erhalten, zu qualifizieren und auch neu zu schaffen“ ins Gegenteil verkehrt. Die vorgestellte Planung erweckt damit den Eindruck, dass nicht ein „Konzept für mehr Freiraum“ sondern ein „Konzept für mehr Versiegelung“ verwirklicht werden soll.

 

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