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Ippens Weltsicht muss man nicht teilen

v.l.n.r.: Jürgen Blümer (Landschaftspaten), Dirk Hanke (BiGG Hamm), Ulrich Mandel (Klimabündnis Hamm), Andrea Pfeiffer (Grüne Bürger gegen Gasbohren)

Letzten Samstag beglückte Dirk Ippen die Leserschaft des Westfälischen Anzeigers mit seiner Sicht auf die Welt im Allgemeinen und die Energiewende im Besonderen. Er hat privilegierten Zugang zu den Medien, den er hier nutzt.  Offenbar wird die Absicht verfolgt, den Kohlekonsens aufzukündigen, eine erneute Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke und den Einstieg in die exzessive Ausbeutung heimischer Erdgasvorkommen in die Diskussion zu bringen. „Don’t feed the troll!“, sagt man. Nach langem und erfolgreichem Kampf gegen die Gasförderung in Hamm können wir derartige Äußerungen aber auch nicht komplett ignorieren. Was Ippens Kolumne so schlimm macht, ist nicht nur die Reichweite, die er erzielt, sondern auch das Vorgehen, bei dem er reale Probleme der Energiewende aufgreift. Der polemische Text soll dadurch sachlich wirken und überzeugen. Eine längere Gegenrede wäre daher geboten. Als erste Reaktion hier ein Leserbrief der BIGG Hamm an den WA, hier in ungekürzter Form:

Leserbrief zur Kolumne „Wie ich es sehe: Energiewende fährt vor die Wand“ vom 9.2.2019

Das Positive zuerst: Der Zeitungsverlegers Dirk Ippen macht in seinem Beitrag keinen Hehl daraus, dass es sich bei den Einlassungen um eine persönliche Meinung handelt. Eigentlich erfordert jeder einzelne Satz eine umfangreiche fachliche Entgegnung, die ein Leserbrief hier nicht leisten kann. Selektiv werden bekannte Probleme bei der Umsetzung der Energiewende akzentuiert, ohne daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen: Es gibt keinen Weg an der Energiewende vorbei, wenn wir unseren Wohlstand oder auch nur unsere Lebensgrundlage erhalten wollen. Die Probleme der Energiewende sind nicht technischer oder naturgesetzlicher Form, sondern rein politisch. Die Erfahrung der letzten zehn Jahre würde also eher den Titel „Energiewende wird vor die Wand gefahren“ rechtfertigen. Welche Lösungen bietet Ippen nun an? Kernenergie und unkonventionelles Erdgas! Während Ippen sich zwar um die unsaubere Förderung seltener Erden in der Mongolei sorgt, scheint Uran auf den Bäumen zu wachsen. Billig ist Kernenergie auch nicht. Erdgas – unkonventionell gefördertes noch besonders – besitzt erhebliche Vorketten-Emissionen beispielsweise durch unkontrollierte Ausgasungen im Fördergebiet. Der Klimavorteil gegenüber Kohle wird dadurch ruiniert und fossil bleibt es ohnehin.

Wenn nun verlangt würde, einen Ort zu benennen, der symbolisch dafür steht, dass sowohl Kernenergie als auch Erdgas eine Sackgasse sind, dann wäre das endlich einmal eine Liste, auf der Hamm ganz oben steht.

Wunderlich wird es, wenn Albert Einstein als „Symbol von Vernunft und Wissenschaft“ gegen die Energiewende missbraucht wird – er würde „zum zweiten Mal vertrieben“. Als Physiker hatte ich Gelegenheit, einige von Einsteins Gedanken nachvollziehen zu dürfen, dennoch maße ich mir nicht an, für ihn zu sprechen. Allerdings scheint es mir schwer vorstellbar, dass er sich derzeit noch einmal gerade die USA aussuchen würde, um Vernunft und Wissenschaft hoch zu halten.

Mehr dazu:

https://www.klimabuendnis-hamm.de/fakten/mehr-dazu/wa-und-ippen-konzern/

Dirk Hanke

BIGG Hamm

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