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Klimanotstand: Wenn kein Ziel erreicht wird

Die Auswertung aktueller Zahlen der Bundesregierung und des IPCC machen deutlich: Die geplanten Maßnahmen zu Klimaschutz in Deutschland sind völlig unzureichend. Deutschland ist nicht in der Lage, seinen Beitrag zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu leisten.

In der deutschen Politik gibt es immer wieder Streit darüber, ob Deutschland auf einem guten oder schlechten Weg für die Reduktion der CO2-Emissionen ist. Die Bewertung der Reduktions-Szenarien ist am Ende stark davon abhängig, welche verbleibenden CO2-Budgets man Deutschland zumisst:

  • Darf Deutschland weiterhin einer der größten pro Kopf Emittenten bleiben?
  • Sollen alle Länder einen Anteil am UNO/IPCC-Restbudget gemäß ihrer Einwohnerzahl bekommen?

Im erstgenannten Fall, bei einer Fortschreibung des privilegierten Emissionsverhaltens in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, ist es nicht ausgeschlossen, dass Deutschland sein Klimabudget für das 2°C-Ziel erreicht. Aktuelle Prognosen der Bundesregierung lassen aber ernsthafte Zweifel zu. Das Erreichen des 1.5°C-Budget-Ziels erscheint in diedsem für Deutschland vorteilhaften Szenario unrealistischunrealistisch.

Im zweiten Fall bei einer gerechteren Verteilung der Emissionen auf alle Länder geraten beide Budget-Ziele innerhalb der nächsten 10 Jahre außer Reichweite. Dies hat zur Folge, dass die Klimaziele nur noch durch negative Emissionen erreichbar sind, also durch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre.

Im folgenden werden drei Reduktions-Pfade je Szenario miteinander verglichen:

  • Den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung
  • Eine lineare Reduktion der Emissionen im gleichen Tempo wie von 2001-2015
  • Den Projektionsbericht des BMU den sich das BMU nicht zu eigen macht

Details zu den Datenquelle sind im Abschnitt ‚Erläuterungen‘ zu finden.

CO2-Emissionen

Die Reduktion der CO2-Emissionen in Deutschland zeigt seit einigen Jahren einen linearen Trend auf. Bei Fortsetzung dieses Trends (rote Linie) würde das Ziel „0-Emissionen“ erst in ca. 80 Jahren erreicht.

Der Projektionsbericht der Bundesregierung 2019 (gelbe Linie) sieht sogar ein deutlich pessimistischeres Szenario. Insbesondere in den nächsten 15 Jahren ist darin nicht erkennbar, dass die deutschen Anstrengungen zum Klimaschutz zielführend sind.

Der ursprüngliche Klimaplan 2050 (blaue Linie), der als Reaktion auf das Pariser Abkommen entstanden ist, zeigt einen ambitionierteren Weg. Es bleibt in den entsprechenden Dokumenten unklar, wie dieses Reduktionstempo erreicht werden soll.

Betrachtung des Restbudgets für Deutschland im Planungsszenario der Bundesregierung

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Deutschland aus den globalen CO2-Budgets, die vom IPCC errechnet wurden ca. 2.2% zustehen. Danach darf Deutschland pro Kopf doppelt so viel CO2 ausstoßen, wie der durchschnittliche CO2-Ausstoss pro Person auf der Welt ist.

Der aktuelle Trend (rote Linie) und der Projektionsbericht 2019 der Bundesregierung (gelbe Linie) deuten für Deutschland einen abweichenden Weg an. Das Budget für das 1.5°C-Ziel wird demnach schon in der nächsten Dekade überschritten werden.

Bis 2050 ist aus heutiger Sicht in beiden Szenarien nicht erkennbar, ob Klimaneutralität erreicht wird. Das Restbudget zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C wird in den Szenarien möglicherweise noch nach 2050 überschritten.

Der Klimaplan 2050 der Bundesregierung erfüllt unter den gegebenen Annahmen von 2.2% Anteil an den IPCC Restbudgets die Bedingungen des Pariser Abkommens weitgehend. Würden alle Staaten unter den gleichen Annahmen handeln, läge die errechnete Erderwärmung bei ca. 1.6 – 1.7 °C.

Betrachtung des Restbudgets für Deutschland im pro Kopf Szenario

Es gibt Zweifel daran, ob Deutschland einen erhöhten pro Kopf Anteil an den globalen Restbudgets rechtfertigen kann. Im Gegensatz zu den obigen Annahmen würden Deutschland, gewichtet nach der Bevölkerungszahl, lediglich 1.1% des IPCC Restbudgets zustehen. Damit würde Deutschland nur noch die Hälfte des CO2-Budgets aus dem Szenario der Bundesregierung zustehen.

Die farbigen Kurven haben jeweils den gleichen Verlauf, wie in der vorherigen Abbildung. Geändert sind nur die Grenzen zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens. Die Änderung ergibt sich aus der abweichenden Annahme, dass hier alle Staaten einen gleichen pro Kopf Anteil an den IPCC-Restbudgets verlangen. Deutschlands Budget würde dadurch halbiert.

Diese Darstellung zeigt, wie wenig ambitioniert die deutschen Pläne sind. Selbst das optimistische und mittlerweile überholte Szenario des Klimaplans 2050 (blaue Linie) der Bundesregierung würde schon vor 2040 das Budget für das 2°C-Ziel überschreiten. Über die realistischeren Szenarien, die auf den aktuellen Zahlen basieren, muss in diesem Fall gar nicht geredet werden. Beide Ziele würde innerhalb der nächsten Dekade fallen.

Betrachtung des Restbudgets für Deutschland im Gerechtigkeits-Szenario

Das Pro-Kopf-Szenario ist nicht das für Deutschland schwierigste Szenario. Wie die folgende Graphik ausweist, liegt Deutschland an Rang Nummer 4 in der Liste der größten Treibhausgas-Emittenten, wenn die historischen CO2-Emissionen insgesamt zusammengezählt (kumuliert) werden.

Wenn alle bisherigen Emissionen mit eingerechnet würden, sähe das Bild noch etwas anders aus. Deutschland stünden deutlich weniger als 1.1% des Restbudgets zu. Dieses Szenario wird hier aber nicht betrachtet.

Erläuterungen

Bevölkerungszahlen

Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner, auf der Welt sind es ca 7.5 Milliarden. Eine Pro-Kopf Verteilung des CO2 Restbudgets würde für Deutschland ca. 1.1% vorsehen. Deutschlands Anteil an den jährlichen Emissionen ist Stand 2016 ca. 2.2%.

Der Datensatz für die Restbudgets

Aus den Daten des IPCC für die globalen Restbudgets zur Erreichung des 1.5°C/2.0°C-Ziels, werden die entsprechenden Budgets für Deutschland berechnet.

Datensatz zum CO2-Ausstoß

Die Daten für den tatsächlichen CO2-Ausstoß in Deutschland zwischen 1990 und 2018 kommen vom Umweltbundesamt.

Es wird davon ausgegangen, dass die lineare Fortschreibung der Reduktion der C02-Emissionen ein Worst-Case-Szenario beschreibt. Leider sieht der Projektionsbericht des BMU Deutschland auf einem noch langsameren Pfad.

Datenauswertung

Die Datenauswertung, Programmierung und Bilderstellung wurden durchgeführt von Tobias Brambach und Maximilian Nöthe

https://github.com/s4f-dortmund/open_data_notebooks

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