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Leserbrief Nr. 2 an den WA

Westfälischer UnzeigerBeim WA am 16.08.2016 eingereicht. Bis heute (31.08.2016) nicht veröffentlicht. Mit einem Monat Verspätung am 16.09.2016 veröffentlicht. | Archiv

Zum WA-Bericht „Vorwürfe via Facebook gegen Bohrfirma“ vom 16.08.2016

Da veröffentlicht jemand im Facebook auf der Seite der Gasbohr-BEFÜRWORTER seine Vorwürfe gegen die Betreibergesellschaften und schon versteigt sich Andreas Tönies, Vorstandsmitglied des ausführenden Bohrunternehmens Daldrup & Söhne aus Ascheberg zu der Aussage, die Gasbohrgegner würden „mit allen Tricks arbeiten“. Die Betreiber der Seite haben schon am 8. August angekündigt, HammGas über die Vorwürfe zu informieren. Interessant, dass die Lobbyisten der Gasindustrie diese Vorwürfe sogar 7 Tage auf ihrer Facebookseite stehen gelassen haben.

Es sind die Bürgerinitiativen gegen Gasbohren, die sich ernsthaft Sorgen um die Folgen des Gasbohrens machen und um kritische Aufklärung bemüht sind. Die erste Informationsveranstaltung im Lohauserholz ist z.B. von Gasbohrgegnern organisiert worden. Die Verkaufsveranstaltung der HammGas hat später nur deswegen im Hölzken stattgefunden, weil die Gegner Druck aufgebaut haben.

Es sind Umweltgruppen, die Fragen stellen und die die erhaltenen Informationen (falls sie überhaupt kommen) mit Vorsicht beäugen müssen. Denn sie wissen, dass Unternehmen, die durch Bergbau aller Art profitieren, alle Gründe haben, begangene Fehler, Pannen, eigene Unzulänglichkeiten und monetäre Verluste zu verschleiern. Beispiele hierfür gibt es genug. – Und da der Rat der Stadt Hamm mit allen Stimmen von CDU, SPD, FDP und sogar mit mehrheitlicher Unterstützung der GRÜNEN Ratsfraktion für die Aktivitäten der HammGas gestimmt haben, sind sie mit im Boot und auch sie müssen sich gefallen lassen, dass wir ihnen misstrauen, wenn es darum geht, Aussagen der Betreibergesellschaften zu prüfen. – Auch der Stadtrat in Hamm kann sich kein Scheitern der Gasbohr-Aktivitäten in Hamm und im Münsterland leisten.

Umweltschützer wie wir haben auch allen Grund, einer Behörde wie dem Bergamt zu misstrauen, denn wir wissen, dass sich dieses Amt auch nur auf das Bergrecht beruft, was schon lange geändert werden muss. Bereits 2011 hat die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Genehmigungsbehörde darauf hingewiesen, dass das Bergrecht dringend reformiert werden muss. Zu den Verbesserungsvorschlägen gehört neben einer verpflichtenden Sicherungsrücklage der antragstellenden Unternehmen auch die Beweislastumkehr.

Glauben Sie mir, Herr Tönies: Wenn Sie Probleme haben, einen Kredit zu bekommen, und wenn nun der Kurs Ihrer Aktie um vier Prozent gefallen ist, hat das andere Ursachen. Sie sind in einem Hochrisikogeschäft aktiv und ein Geschäftspartner, die PVG, hat den Jahresabschluss von 2014 noch nicht veröffentlicht, obwohl diese Firma dazu verpflichtet ist. Und wenn ich als Aktionär Ihre verschleiernden Veröffentlichungen lesen würde, dann würde ich mir auch meine Gedanken machen.
Sie behaupten nun, es gibt keine Verschleierungen? Dann können Sie sicherlich diese einfachen Fragen beantworten: „Wo bleibt der Bohrschlamm?“, „‚Wo sind die Daten vom Grundwasser-Monitoring?“, „Wie hoch sind Sie und die HammGas versichert, wenn was passiert?“. Oder: „Was ist mit den verseuchten Bohrplätzen, der umgebenden Natur und den angrenzenden Wohngebieten, der Gesundheit der Bevölkerung, sollte etwas passieren?“. – Das sind übrigens Fragen, die wir von unseren Volksvertretern im Stadtrat erwarten!

Ulrich Mandel
Klimabündnis Hamm

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