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Mit Hartnäckigkeit zu einer Streuobstwiese

Nach einem Artikel im Westf. Anzeiger habe ich mich gefragt, wie es zu der Steuobstwiese in Wiescherhöfen kam. Ich habe deshalb nachgefragt. Die Antwort zeigt, was nötig ist, um etwas für den Arten-, Landschafts- und Umweltschutz zu erreichen. Christel Weiß hat mir hierzu folgendes geschrieben:

(C) Christel Weiß

Bereits im Januar 2018 hatte ich die Idee, eine Streuobstwiese anzupflanzen. Wir nahmen am Wettbewerb des Umweltamtes der Stadt Hamm zum Thema Klima teil, erhielten aber keinen Preis. Walter Philipp, Günther Brandl, Marlies und Theo Damberg und ich setzen uns für die Artenvielfalt ein. Bäume entziehen Kohlenstoff aus der Atmospähre und damit können wir einen kleinen Beitrag gegen die Klimaerwärmung tun.

Immer wieder haben wir versucht, eine Streuobstwiese als besonderes Biotop zu schaffen.

Ohne Erfolg.

Dann, in einer Vorstandssitzung der GRÜNEN sagte Dirk Hanke, dass der Naturschutzbund (NABU) Streuobstwiesen fördert. Er nahm Kontakt zum NABU auf und mailte mir die entsprechende Adresse. Am 3. Januar 2019 beantragte ich beim NABU die Förderung für eine Streuobstwiese. Im Februar 2019 erhielt ich einen Anruf von Frau Sevil Yildirim, Koordinatorin für Streuobstwiesenschutz NRW und des NABU NRW. Nachdem alle Einzelheiten über die Förderbedingungen geklärt waren, erhielt ich am 5. März 2019 die Zusage über die Förderung pro Baum von 100 € für 10 Hochstämme mit  insgesamt 1000 €.

Die Freude über die Förderung war groß. Nun ging alles zügig voran.

Thomas Vogt, zuständig für Baumschulberatung bei der Landwirtschaftskammer NRW, kontaktierte mich und verabredete mit mir und Harald Haun am 15. März 2019 einen Beratungs- und Besichtigungstermin in Westtünnen. Vogt sagte, am besten würden sich alte Apfelsorten auf der Weide eignen. Von Steinobst riet er ab.

Er nannte mir alte Apfelsorten, die sich für die Anpflanzung auf der Weide eignen: Ontario, Roter Eiserapfel, Alkmene, Rote Sternrenette, Goldpärmene, Weißer Klarapfel, Dülmender Rosenapfel, Finkenwerder Prinzenapfel.

Harald Haun entnahm eine Bodenprobe.

Herr Giesebrecht von der Baumschule Giesebrecht KG in 44532 Lünen unterbreitete mir ein Angebot, das ich annahm. Bis alle bestellten alten Apfelsorten vollständig da waren, sollten 10 bis 14 Tage verstreichen. – So lange mussten wir also noch warten. Wir haben natürlich die Zeit genutzt und 10 Pflanzlöcher in der Größe 60 x 60 x 40 cm ausgehoben. Zuvor wurden die Standorte der Bäume auf der Weide von Alexander Schlothauer und mir vermessen. Harald Haun wies darauf hin, dass ein Mäher in der Kurve  20 Meter benötigt. Das musste berücksichtigt werden. Schließlich soll ja keiner mit einem kleinen Rasenmäher über die Wiese fahren. Die Aushubarbeiten haben Dirk Hanke, Maike Schmiedecken, Berit Hanke, der Experte Alexander Schlothauer und ich übernommen.

Endlich, am 22. März 2019 waren alle 10 Pflanzlöcher ausgehoben. Fünf Kanister mit Wasser standen für die Pflanzung bereit.

Am 26. März 2019 wurden die 10 Hochstämme alte Apfelsorten und folgende Utensilien geliefert:

  • 30 x Pflanzpfähle (2,50 Meter lang und 6 cm dick)
  • 10 x Wühlmausschutzgitter (1 Meter mal 1 Meter)
  • 10 x Verbissschutz
  • 10 x Querriegel mit 2,50 Meter Länge
  • 5 x Kokosbänder
  • eine geliehene Pfahlramme!

Die nackten Wurzeln der Bäume wurden mit Decken und Handtüchen eingewickelt und reichlich gewässert, da sie noch 5 Stunden auf das Einpflanzen warten mussten.

Marlies Damberg, Beate und Bernd Brockmann verteilten die Pflanzutensilien an die Pflanzlöcher und Bernd zersägte die Querriegel in 30 Teile. Marco Scheuermann, Justin Maat und Dirk Hanke rammten insgesammt 30 Pfähle ein. Dirk schraubte die Querriegel an die Pfähle und wurde dabei von Berit Hanke unterstützt. Sie sägte die Überstände ab. Marco Scheuermann hat die Bäume an den Wurzeln beschnitten, bevor sie eingepflanzt wurden. Die Krone durfte nicht beschnitten werden, da die Bäume sonst verblutet wären. Maike Schmiedecken, Alexander Schlothauer, Ulrich Schüpphaus und Christel Weiß buddelten: Zuerst kommt etwas lockere Erde in das Pflanzloch, dann wird der Wühlmausschutz eingelegt, Erde wird auf den Wühlmausschutz geworfen, dann der Baum eingesetzt. Anschließend wird das Netz an den Stamm gezogen, mit Erde verfüllt und festgetreten. Der Stamm erhält noch den Verbissschutz.

Wir freuten uns nun, je zwei Rote Eiserapfel, Alkmene, Goldpärmene, Ontario und Rote Sternrenette nach bestem Wissen und Können gemeinsam eingepflanzt zu haben.

Barbara Riera fotografierte das Werk. Gießwasser stand aus Kanistern, in Gießkannen und Eimern bereit, reicht aber nicht aus. Berit, Christel, Marco und Justin versuchten aus der Ahse Wasser zu bekommen, was auch mithilfe eines Eimer und eines Kokosstrick gelang. So erhielt jeder neu gepflanzter Baum sein Wasser. Zum Abschluss stärkten sich alle.

Der erste Teil der Arbeit an der Streuobstwiese war damit fertig. Die Bäume wurden  am nächsten Tag von Alexander Schlothauer und Beate Brockmann mit Kokosstrick fachgerecht an die Pfosten angebunden.

Im Westfälischen Anzeiger berichtete Jörg Beuning mit Nennung der Sponsoren. Tatsächlich haben sich schon weitere Interessenten gemeldet.

Da die Fläche durch Rinder beweidet werden soll, stand allerdings noch ein zweiter Arbeitsschritt an:  Alle Bäume mussten noch mit fünfbindigem Stacheldraht geschützt werden. Dazu wurden jeweils vier Eichenpfähle von 2.20 Meter Länge (wird 80 cm in die Erde gebracht) gesetzt, die ein Quadrat mit je 2 Meter Länge um den Baum bilden. So können die Tiere den Baum nicht beschädigen. Dieser Teil der Arbeit wurde wieder von einer Vielzahl an freiwilligen Helfern erledigt.

Alle sind glücklich und freuen sich an der neu geschaffenen Streuobstwiese.

Im Herbst werden die Hochstämme geschnitten. Der regelmäßige jährliche Schnitt, auch Pflegeschnitt genannt, ist erforderlich um eine schöne Krone des Baumes zu erzielen. In den ersten drei Jahren müssen die Hochstämme außerdem regelmäßig gewässet werden. Wunderbar, dass Harald Haun einen Wassertank auf Rädern in die Weide gestellt hat, woraus wir das Gießwasser entnehmen können.

Blicken wir in die Zukunft und sehen zehn Jahre weiter auf die Streuobstwiese.

Im Frühjahr erblühen die Äpfelbäume, ein Summen und brummen ist zu hören: Bienen, Hummeln, Erdbienen fliegen von Blüte zu Blüte und bestäuben den Stempel, so dass ein Apfel entsteht.

Und nun träumen wir; unsere Phantasie geht auf Reisen…

Viele Grüße

Christel Weiß

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