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„Nach Muhle muss was Neues kommen!“

Leserbrief WA 03.11.2022 von Edmund SpindlerEdmund Spindler hat beim Westfälischen Anzeiger einen Leserbrief eingereicht, der dort am 03.11.2022 gekürzt veröffentlicht wurde . Ich veröffentliche hier den vollständigen Text. Rote Schrift zeigt Streichungen:

Das Interview „Manches braucht seine Zeit“ (WA, 29.10.2022) mit Heinz-Martin Muhle bleibt in vielen Punkten hinter den Erwartungen zurück. Zwar ist es journalistisch schön – und im WA wohl auch Usus – einem Amtsleiter ein Abschiedsinterview zu widmen, aber es sollte schon ausgewogen sein und auf Licht und Schatten eingehen. Erst die Reflexion der gesamten Arbeit macht die Sache rund und dient der journalistischen Aufklärung.

Mich hat das Interview als Abonnent sehr enttäuscht, dass wieder einmal die Chance von Seiten Ihrer Zeitung vertan wurde, die Arbeit des Stadtplanungsamtes kritisch zu hinterfragen. Warum sind Sie nicht stärker auf den Klimaschutz eingegangen, zu dem Muhle nur leere Floskeln auf Lager hat? Auch zur Nachhaltigkeit, eine Paradedisziplin der Stadtentwicklung, kein Wort! Hier hätten Sie m.E. nachfragen müssen, um zu erkennen, dass in den letzten Jahren viel zu wenig an nachhaltigen Problemlösungen gearbeitet wurde. Statt dessen erleben wir Bedenkenträger der Verwaltung, die sich in Problematisierungen ergötzen, Rechtfertigungen formulieren und (partei-)politische Loyalität beweisen.

Beim Umwelt-, Natur- und Nachhaltigkeitsthema hat Muhle mit dem Planungsamt versagt. Der Flächenverbrauch nimmt weiter zu, die Energie- und Ressourcenfragen werden planerisch nicht adäquat diskutiert und der Bezug zum Bürger bleibt abstrakt. Deshalb fehlen hier schon seit Jahren zukunftsfähige Innovationen und nachhaltige Lösungen in der Bauleitplanung der Stadt Hamm. Die Bilanz der Qualität ist negativ. Dies sieht man schon daran, dass erfolgversprechende Neuerungen des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) in Berlin, wie z.B. die Donut-Ökonomie oder die Klimaanpassungsmaßnahmen, in Hamm keine Rolle spielen.

Die von Muhle so gelobte Flexibilität seiner Arbeit und das Fremdeln mit „Visionen“ hat etwas mit Bequemlichkeit und dem Laufenlassen der Wirtschaftsprozesse zu tun. Er sieht in der Stadtplanung eine Art von Moderation eines Prozesses, den man nicht stören darf. Diese Einstellung ist nicht mehr zeitgemäß. Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Nach Muhle muss was Neues kommen! Aber auf die Fragen „Was kommt inhaltlich nach Muhle?“ und „Welche Baustellen, Blindstellen und Barrieren hat er hinterlassen?“ sind Sie leider nicht eingegangen. Hamm braucht ein Planungsamt, das Vorgaben macht, Zukunftsperspektiven eröffnet und das Bundesbaugesetz kreativ umsetzt. Erst mit einer solchen Nachhaltigkeitsstrategie, die den produktiven Boden schützt, können wir im Anthropozän bestehen. Hierzu gehören auf kommunaler Ebene energieautarke, verkehrsfreie und nachhaltig gestaltete Baugebiete sowie eine Gewerbestruktur, die den Bedürfnissen der Bürger entgegenkommt und den Natur- und Artenschutz auf 100 % der Fläche, d.h. in Hamm auf rund 22.600 ha, realisiert. Logistik und Großprojekte haben wir in Hamm genug und Monsterstraßen, wie z.B. die B 63n, sind Projekte von vorgestern.

Ich hoffe sehr, dass Sie bald die Chance nutzen, mit dem neuen Planungsamtsleiter hierauf ausführlich einzugehen, damit ein umfassendes Bild der Berichterstattung entsteht. Mit dem Schönwetter-Journalismus kann man heutzutage nicht mehr punkten, auch nicht in der Wochenendausgabe.

Edmund Spindler, Hamm
E-Mail

Günther Gumhold / pixelio.de

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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