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Vertrockneter, rissiger Acker

Panik im Maschinenraum

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat einen Plan vorgelegt, wie Deutschland bis zum Jahre 2050 zu einer klimaneutralen Wirtschaftsnation umgebaut werden soll. Das Problem mit dem Plan: CDU, CSU, FDP und AfD lehnen die Vorschläge ab. Einen Gegenentwurf kann die Koalition der Klimawandel-Leugner nicht präsentieren. Klimaleugner? Genau – während die einen noch die Verantwortung des Menschen bestreiten, sind die anderen blind für die historische Herausforderung, vor der wir stehen. Es ist also Zeit, in Panik zu geraten.

Das Klimaschutzgesetz der Bundesumweltministerin sieht bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 95 Prozent gegenüber 1990 vor. Dies soll in mehreren, durchaus ambitionierten Schritten passieren – z.B. soll bereits 2030 eine Reduktion um 55 Prozent erreicht sein. Der besondere Clou an dem Gesetz: Ministerien, die hinter ihren Reduktionszielen zurück bleiben, werden mit Abzügen im Etat bestraft.

Natürlich wurde der Vorschlag von der rechts-konservativen Meinungslandschaft von AfD bis FDP sofort angegriffen. Die FAZ schafft es sogar, sich wieder einmal an Greta Thunberg abzuarbeiten, obwohl die junge Schwedin nachweislich nicht die Autorin des Schulze-Plans zur Klimarettung ist. Doch mehr als politische Polemik und planlose Plattitüden hatte keiner der ‚Kritiker‘ zu bieten.

Niemand kann sich aber noch darüber wundern, dass die Bundesumweltministerin den Druck auf die Klimaleugner nun erhöht. Denn zum einen sucht die SPD händeringend nach einer Sollbruchstelle für die verhasste Große Koalition. Und das fällt den Sozialdemokraten naturgemäß leichter bei Themen, wo sich die Union mit der AfD auf der gleichen Seite wiederfindet.

Quelle: Rike, pixelio.de

Zum anderen ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Klima-Weltlage aktuell dramatisch zuspitzt. Bereits 2008 warnte der Berater der Bundesregierung in Klimafragen, Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), vor einem zu langen Zögern bei dem Kampf gegen den Klimawandel. Werde der Klimaschutz gar bis 2020 vertagt, so gibt der Bericht wieder, müssten die Emissionen anschließend um neun Prozent jährlich sinken, das sei dann aber nur noch „im Rahmen einer Kriegswirtschaft zu leisten“.

Noch Ende 2018 wird in der ZEIT der amerikanischen Chemiker und Klimatologe Will Steffen mit der Prognose zitiert, dass der Klimawandel nur durch eine radikale Änderung des Wirtschaftssystems bekämpft werden kann – durch Maßnahmen, die einer Kriegswirtschaft gleich kämen.

Schaut man sich die Pläne von Svenja Schulze genauer an, dann ist dies nichts anderes als ein radikaler Umsturz wesentlicher Grundlagen des Wirtschaftssystems in Deutschland. Kein Wunder also, dass Union und FDP Alarm schlagen. Denn mit dem, was die Bundesumweltministerin vorschlägt, wäre das Ende des politischen Markenkerns dieser beiden Parteien unvermeidlich.  Und wenn ein SPD-Regierungsmitglied angesichts des Klimawandels genau dies in einen Gesetzentwurf hinein schreibt, dann sollte uns allen klar sein:

Es ist an der Zeit, ernsthaft in Panik zu geraten.

Der Begriff „Panik“ ist auch das Leitmotiv eines herausragenden Essays in der New York Times. Unter dem Titel „Time to Panic“ erläutert der Autor David Wallace-Wells, warum Angst die einzige Rettung für die Zivilisation bedeuten könnte:

„But the longer we wait, the worse it will get. Which is one last argument for catastrophic thinking: What creates more sense of urgency than fear?“

Wallace-Wells legt in seinem Essay dar, dass für effektiven Klimaschutz, der sofort beginnt, eine weltweite Treibhausgas-Reduktion um fünf Prozent pro Jahr erfolgen müsse. Wird der Start des Klimaschutzes um zehn Jahre verzögert, läge die erforderliche Reduktionsrate bei neun Prozent. Die Herausforderungen würden also von Jahr zu Jahr gewaltiger.

Svenja Schulze hat das erkannt – und gehandelt. Die Grünen und die Linken sind auf Ihrer Seite. Doch die Mehrheit im Bundestag will weiter dabei zusehen, wie unsere Zivilisation in den Untergang rast. Es ist also an der Zeit, dass wir alle in Panik geraden.

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