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Ratsantrag der GroKo wenig ambitioniert

Quelle: PFF/FFF

Die Ratsfraktionen der CDU und der SPD haben am 27.06.2019 unter der Odnungsnummer 1034/19 einen gemeinsamen Ratsantrag vorgelegt, in dem sie ihre Forderungen zum Umwelt-, Natur- & Klimaschutz vorstellen. In der nächsten Ratssitzung soll dieser Antrag beraten und beschlossen werden. Wir haben uns am ‚Runden Tisch‘ des Klimabündnisses diesen Antrag genauer angesehen. [Ratsantrag als PDF-Download]

Der Antrag beinhaltet viel gute Ansätze, ABER…
… Müssten wir nun ein Zeugnis ausstellen, würde dort unter „Klimaschutz“ das folgende Urteil stehen:

„Sie bemühten sich, ihren Anforderungen gerecht zu werden“

Begründung? Ganz einfach: Die Forderungen im Antrag sind nicht ambitioniert genug. Wir meinen, da geht mehr! In diesem Beitrag sind beide Positionen zu finden: In der linken Seite der ‚zerlegte‘ Ratsantrag der GroKo, in der rechten Spalte unsere Kommentierung. So haben es auch die Ratsparteien und Pressevertreter von uns erhalten. [Kommentierung als PDF-Download]

Unsere Pressemitteilung vom 24.07.2019 dazu:

Das Hammer Klimabündnis macht den Politikern weiter Druck. Es lobt die guten Absichten, kritisiert aber zugleich die unklaren Konsequenzen im Ratsantrag der Großen Koalition

An zu vielen Stellen wird die Politik der Großen Koalition im Rathaus den unbequemen Wahrheiten über den Klimawandel nicht gerecht, kritisiert das Klimabündnis Hamm, dem 26 Akteure angehören. Die vier Arbeitskreise des Bündnisses haben sich intensiv mit dem Ratsantrag von CDU und SPD beschäftigt und befinden ihn an zu vielen Stellen als weich und mutlos.

„Wasch mir den Pelz, aber mach‘ mich nicht nass“ sei offenbar die Devise gewesen. So heiße es bei den Maßnahmen zu oft, dass etwas sein „solle“ statt dass etwas geschehen „müsse“. Auch möchte die Groko erstmal eine aktuelle CO2-Bilanz erstellen lassen, bevor es an grundsätzliche Maßnahmen geht, die sofort wirksam sein könnten wie Photovoltaik auf städtischen Dächern, den Vorrang des Bus- und Radverkehrs oder eine Anpassung der Bauvorgaben und Ausschreibungsbedingungen an den Klimawandel.

Das Klimabündnis lobt aber auch: So sei das Integrierte Klimaschutzkonzept zu begrüßen. Ihm ist es zu verdanken, dass wir in Hamm einen Klimaschutzmanager haben. Hierzu merkt Ulrich Mandel vom Klimabündnis an: „Unserem Klimaschutzmanager wurde scheinbar vom Verwaltungschef ein Maulkorb verpasst, denn er durfte bisher trotz Einladung und einem zugehörigen Antrag an den Oberbürgermeister noch nicht zum Runden Tisch des Klimabündnisses kommen. Außerdem benötigt er auch ein Geld-Budget und Entscheidungsbefugnisse, wenn er seinen Job als ‚Manager‘ des Klimaschutzes in Hamm wahrnehmen soll.“. Insgesamt hat das Klimabündnis 28 Punkte kommentiert; sie können auf klimabuendnis-hamm.de nachgelesen werden.

Diese Kommentierung haben wir der Pressemeldung beigefügt:

Aus dem Original
des Groko-Antrages
Kommentierung vom Runden Tisch
des Klimabündnisses
1. Der Klimawandel stellt die gesamte Welt und damit auch unsere Stadt vor große Herausforderungen.

Gemeinsam wollen wir die Treibhausgasemissionen massiv reduzieren und die Erderwärmung stoppen.

„Massiv reduzieren“ ist zurückhaltend formuliert.

Die Emissionen müssen gestoppt werden, wahrscheinlich müssen sogar Negativ-Emissionen erreicht werden.

2. Der Weltklimavertrag von Paris (2015) und die damit beschlossenen und durch 197 Länder ratifizierten Zielvorgaben geben den Rahmen vor. Unvollständig formuliert.
Wir ergänzen aus unserer Resolution:„Die Kommune orientiert sich für zukünftige Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels an den Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), insbesondere in Bezug auf Investitionen zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen.“
Diese Formulierung ist wichtig, weil die Kommune flexibel reagieren muss, wenn das IPCC zu Erkenntnissen gelangt, die eine Anpassung beschlossener Maßnahmen und der damit verbundenen Zielvorgaben erfordern.
3. Richtig ist, dass wir nur gemeinsam diese Ziele erreichen werden. Ebenso richtig ist, dass Kommunen und Gebietskörperschaften im Rahmen ihrer kommunalen Verantwortung und Zuständigkeit ihren Beitrag leisten sollen. … ihren Beitrag leisten müssen
4. Dafür setzen wir auf konkrete Maßnahmen in unserer Stadt. Unser Anspruch ist dabei, dass Energie und Mobilität bezahlbar bleiben und alle Anstrengungen und Maßnahmen sowohl nachhaltig wie sozial ausgewogen sein müssen. Darin sehen wir unsere Verantwortung und beschreiben diese als Richtschnur für unser kommunales Handeln. Die Prioritäten wurden noch nicht erkannt. „Die Hütte brennt, aber wir müssen erstmal sehen, ob wir das Wasser zum Löschen nicht für was anderes brauchen“

Deshalb muss es heißen:

…sozial ausgewogen sein sollen.

(Dafür ist es auch notwendig und eine Aufgabe der Politik, der Bevölkerung die Notwendigkeit klar zu machen.)

5. Seit Jahrzehnten hat der Umwelt- und Klimaschutz in Hamm hohe Priorität. So sind wir seit den 90er Jahren „Ökologische Stadt der Zukunft“, Seit den 90er Jahren wurde es versäumt, eine Vorreiterrolle auszufüllen, wie es von einer „Ökologischen Stadt der Zukunft“ zu erwarten ist.

Mittlerweile ist die damalige Zukunft Vergangenheit.

6. u.a. mit
– dem Klimaschutz als strategischem Ziel im städtischen Haushalt,
Da Klimaschutz nicht das einzige strategische Ziel ist, wird es ständig untergeordnet.
Priorität haben u.E. meist Wirtschaftsförderung, Motorisierter Individualverkehr (MIV) , …..
7. – einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien im Stadtwerke-Strommix (>60%), Die Statistik ist beschönigend. Nach Fukushima 2011 haben die Stadtwerke Hamm in der Presse bekanntgegeben, dass sie sich vom Atomstrom verabschieden werden. Zuletzt (2017) lag der Anteil der Erneuerbaren bei der Stromkennzeichnung bei 60,27 %, der Anteil von Atomkraft aber immer noch bei 7,31 %.

Außerdem verschleiern die aktuellen Regeln zur Berechnung des lokalen Strommixes, dass tatsächlich nur 16% der Gesamtstromlieferungen der Stadtwerke Hamm von den Stadtwerken tatsächlich als „echter“ Ökostrom eingekauft wurden.

Wir kommt es zu dieser großen Diskrepanz?

Sie ergibt sich aus dem hohen und weiterhin wachsenden EEG-Stromanteil durch die Hammer EEG-Anlagenbetreiber. Denn diesen Anteil dürfen die Hammer Stadtwerke nach den aktuellen Regeln des EEG in der Stromkennzeichnung ausweisen, ohne dass dies im Wesentlichen auf ihrem eigenen Engagement beruht!

Wir müssten heute weiter sein.

Und möglichst bis 2035 bei 100%. Und das könnte sogar allein durch privates Engagement passieren: Wenn die EE-Stromproduktion in Stadtgebiet Hamm größer wird, als die Strommenge, die die Stadtwerke verkauft.

8. – dem ErLebensraum Lippeaue als größtes Naturschutzprojekt der Stadtgeschichte und Naturschutz ist wichtig, der Beitrag zum Klimaschutz ist hier allenfalls indirekt und sehr langfristig.
9. – mit dem „Integrierten Klimaschutzkonzept“ sind wir bereits auf dem Weg. · Das integrierte Klimaschutzkonzeptes (IKK) von 2015 kann nur als Start in den Transformationsprozess zu einer klimaneutralen Stadt Hamm ab spätesten 2050 angesehen werden: Die meisten der primären Handlungsempfehlungen (S. 88 des IKK) befinden sich auf einem guten Weg. Trotzdem dürfte die Stadt Hamm ‑ insbesondere bei den CO2-Emissionen in den Sektoren Wärme und der Mobilität ‑ noch keine nennenswerten Erfolge erzielt haben.

· Dass die aufgezeigten Potenziale zur CO2-Reduktion (S. 38-61 des IKK) noch nicht erschlossen sind, liegt einfach an fehlenden konkreten Maßnahmenplänen. Diese sind kein Bestandteil des IKK.

· Inhalt des IKK ist u.a. auch die Schaffung der Stelle eines Klimaschutzmanagers. Er ist u.a. für die Vernetzungsarbeit mit Akteuren der Klimawende zuständig. Er wird jedoch bei seiner Arbeit behindert.

· Ohne Finanzmittel und Entscheidungs- und Weisungsbefugnis ist er nicht wirklich ein „Manager“.

· Zu seinen Aufgaben gehört u.a. die Vernetzungsarbeit mit Akteuren des Klimaschutzes. Wir müssen jedoch beim OB seine Teilnahme an Sitzungen des Klimabündnisses beantragen. Bisher wurde diese Teilnahme noch nicht genehmigt.

10. Doch wir wollen noch mehr. Wichtig ist, dass die Zukunft der Energie sozial gerecht gestaltet werden muss und auch die wirtschaftliche Stärke unserer Stadt nicht aufs Spiel gesetzt werden darf. Wir setzen auf Nachhaltigkeit um mehr sozialen Zusammenhalt und eine Stärkung der Hammer Wirtschaft zu erreichen. Es geht um zukunftsfähige Geschäftsfelder.

· Warum wird die Windenergiebranche behindert?

· Warum werden der Bürger und die Unternehmen nicht zu ihrem Glück gezwungen, indem man ihnen bei Neubauten zur Auflage macht, PV zu installieren?

Hier fehlt jeder Gestaltungswille.

· Wenn „sozial gerecht“, dann auch wirklich. Die Umweltfolgen z.B. werden im Preis fossiler Energien nicht abgebildet, aber von allen getragen. Das ist unsozial.

Erneuerbare Energien sind trotzdem schon heute günstiger als fossile Energie.

· Dieses wird für den Verbraucher natürlich nicht deutlich, wenn die Zusatzkosten der fossilen Energien (z.B. Kosten für Endlagerung von Atommüll, Rekultivierung von Kohleabbaugebieten) nicht im Strompreis erscheinen – so wie im Rahmen der EEG-Umlage die Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Sondern die Begleitkosten für die fossilen Energie auch weiterhin intransparent aus Steuergeldern finanziert werden.

11. Mit dem Beschluss der Bürgeranregung zur Ausrufung des Climate Emergency geht unsere Stadt mit gutem Beispiel voran. Gemeinsam mit vielen weiteren Städten rund um die Welt setzen wir ein Signal für mehr Klimaschutz. Diesem Signal müssen konkrete Maßnahmen und Handlungen folgen. Mit den unten beschriebenen Maßnahmen wollen wir den Weg der Stadt Hamm im Umwelt- und Klimaschutz konsequent fortschreiben. Vermeidet die Groko hier den Begriff „Klimanotstand“ bewusst oder unbewusst?
Siehe Antrag 1043-19
„Anregung nach §24 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen Resolution zur Ausrufung des Klimanotstands unterstützen“
12. Um der Verantwortung vor Ort gerecht zu werden beantragen CDU- und SPD-Fraktion im Rat der Stadt Hamm daher, die Verwaltung zu beauftragen, schnellstmöglich eine Vorlage zu folgenden Teilaspekten zu erarbeiten: Was heißt „schnellstmöglich?

Das IKK ist nun fast fünf Jahre alt. Die Verwaltung müsste eigentlich JETZT schon wissen, was zu tun ist.

13. 1. Klimaschutzteilkonzepte erarbeiten

– Integriertes Klimaschutzkonzept (s.o.) fortschreiben. Die im „Integrierten Klimaschutzkonzept“ vorgeschlagenen Teilkonzepte

– „Klimafreundliche Mobilität in Kommunen“,

– „Klimaschutz in Industrie- und Gewerbegebieten“

– sowie „Erneuerbare Energien“

sollen zeitnah erarbeitet und nachfolgend durch den Rat der Stadt Hamm beschlossen werden.

Was heißt „zeitnah“?

Hier fehlen klare Zeitvorgaben!

Die Erstellung von Teilklimaschutzkonzepten und die Fortschreibung des bestehenden Integrierten Klimaschutzkonzeptes sind durchaus sinnvoll. – Sie dürfen aber nicht als Alibi herhalten, weitere zwei Jahre nichts zu unternehmen. Solange dürften die Erstellungen inklusive Förderantrag, Ausschreibung und Beschlussfassung durch den Rat nämlich mindestens dauern.

Es muss SOFORT etwas passieren!

14. Als erster Schritt wird eine aktuelle CO2-Bilanzierung für die Stadt Hamm durchgeführt. Das ist eine unnötige Verzögerung.
Es gibt Maßnahmen, die unstrittig SOFORT wirksam sind und ohne Verzug eingeleitet werden können.
z.B.· PV auf Freiflächen und städtischen Dächern.· Bauvorgaben anpassen.· Ausschreibungsbedingungen anpassen.· Parkraumbewirtschaftung zugunsten des Radverkehrs.· Querfinanzierung ÖPNV über Erhöhung Parkgebühren….
15. Der Umweltausschuss wird umbenannt zum Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz. Querschnittsaufgaben der Ausschüsse müssen definiert werden.
Beispiel: Themen des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr betreffen zukünftig auch ganz stark die Themen des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz.
16. 2. Energie-Agentur Hamm

Die Stadt Hamm soll die Hammer Energie-Agentur gründen. Hier werden die städtischen Strukturen (z.B. Klimaschutzmanager, Klimastab usw.) zusammengeführt, durch externes Know-How gestärkt und wichtige Akteure eingebunden.

Risiken?

· Welche Rechtsform und Entscheidungskompetenzen soll die Energie-Agentur haben?

· Welche Kontrolle hat der Rat?

· Welche Kontrolle hat der Bürger? (Informationsfreiheitsgesetz)

· Wer soll der Agentur vorstehen? (Politiker oder extern eingekaufter Fachmensch?)

17. Die Energie-Agentur Hamm soll die Erarbeitung und Umsetzung der Klimaschutzteilkonzepte

koordinieren sowie Maßstäbe für neue Wohnquartiere und Gewerbe- und Industrieansiedlungen erarbeiten, die den Ausbau nachhaltiger Energie- und Wärmeversorgung festschreiben.

Dazu gehört neben der Dämmung von Gebäuden, die Nutzung von natürlich austretendem Grubengas, Geothermie, dezentrale Blockheizkraftwerke sowie die Nutzung der Wärme des Abwassers. Nachhaltiges Bauen, die Begrünung von Dächern und Fassaden, das Verbot von Steingärten in Neubaugebieten (Gestaltungssatzung) sowie die konsequente Nutzung von Sonneneinstrahlung für Wärme und Strom sollen in diese Konzeption als wesentliche Ziele mit einfließen.

Eine weitere wesentliche Aufgabe der neuen Energieagentur soll die Beratung und Begleitung (sowohl von Bürgerinnen und Bürgern wie von Investoren – privat oder geschäftlich und Institutionen) sein. In diese Arbeit sind neben den oben erwähnten Akteuren auch die Stadtwerke Hamm wie die Sparkasse Hamm einzubinden. Ebenso einzubinden sind die private wie die öffentliche Hochschule in Hamm.

Nichts einzuwenden!

Die aufgeführten Maßnahmen sind zustimmungsfähig.

18. Die entsprechenden praxisnahen Studiengänge Umweltmonitoring & forensische Chemie und Wirtschaftsingenieurwesen Logistik der beiden Hochschulen sollen intensiv fachlich eingebunden werden. In beiden Studiengängen soll die Stadt Hamm ein Stipendium vergeben. Dazu soll die Verwaltung in einer gesonderten Beschlussvorlage und parallel zur Gründung der Energieagentur einen Vorschlag machen. Hier fehlt der Studiengang „Energietechnik und Ressourcenoptimierung“ der HSHL.
19. In Zusammenarbeit mit der Bauverwaltung und den Wohnungsbaugesellschaften entwickelt die

Energie-Agentur passgenaue Lösungen für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen für Neubauten, Anbauten und Sanierungen. Diese sollen bautechnisch entwickelt und angeboten/beworben werden.

Welche Wohnungsbaugesellschaften sind gemeint? Die städtischen oder auch die privaten?
20. Im Hammer Hafen sollen die Stadtwerke Hamm als Eigentümerin des Hafens das „Landstromangebot“ für die Schiffeigner ausbauen und verpflichtend vorsehen. 100%ige Zustimmung.

Das Landstromangebot kann teilweise direkt mit Erneuerbaren versorgt werden. Das Hafengebiet ist weiträumig. Wohnbebauung ist oft weiter entfernt, da es sich um ein Gewerbegebiet mit Lärm- und Staubemissionen handelt. Es bietet sich für Windräder an. Außerdem sind PV-Anlagen auf Lagerhallen und Silos denkbar.

21. 3. Ausbau erneuerbarer Energien

Die Stadtwerke Hamm werden beauftragt, bis 2022 den wegfallenden Atomstrom im Strommix der Stadtwerke Hamm vollständig durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Bis 2023 wird der Anteil regenerativer Energien im Strommix der Stadtwerke Hamm auf 70% erhöht.

Zustimmung: Atomstrom durch Erneuerbare zu ersetzen ist natürlich sinnvoll.
Es wird jedoch nur ein Zwischenziel genannt.Momentan (2017) 60% Erneuerbare.
7,31 % Atom in drei Jahren (bis Ende 2022), also 2,4 Prozentpunkte pro Jahr.Ziel muss sein: Strom aus 100% erneuerbaren Energien bis 2035 im Strommix der Stadtwerke Hamm.
22. Die Verwaltung soll in der o.g. Grundsatzvorlage weitere Vorschläge zum Ausbau regenerativer Energien (z.B. Photovoltaik, Onshore-Windkraft, Offshore-Windkraft, Energiespeicher) für Hamm erarbeiten.
23. 4. Mobilität

Die Fahrzeugflotten der Stadt, Stadtreinigung, Stadtwerke und Verkehrsbetriebe werden schrittweise sowie bedarfs- und praxisgerecht auf alternative Antriebe und Kraftstoffe umgestellt. Die Stadtwerke Hamm werden beauftragt, ein bedarfsgerechtes Konzept zur Umstellung der Busflotte zu erstellen.

 

Die angekündigte „schrittweise Umstellung der Flotte von Stadt, Stadtwerke etc. auf alternative Kraftstoffe“ sagt nichts über den Zeitrahmen aus. (in 10 Jahren? oder gar in 30 Jahren?)
Geld ist genug vorhanden, um eine mindestens 80%ige Umstellung innerhalb der nächsten 3 Jahre festzuschreiben.

24. Zudem soll die auch im ÖPNV fortschreitende Digitalisierung zielbringend und für die Kunden praxistauglich etabliert werden. Entsprechende Fördermittel (Förderprogramm: „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft 2017 – 2020“) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sollen eingeworben werden. Durch die Digitalisierung dürfen keine weiteren Barrieren entstehen. Es dürfen keine Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt werden. (Alte Menschen, Behinderte…)
Z.B. muss die Bedienung auch ohne Technik möglich sein.Digitalisierung ist allenfalls marginal eine Klimaschutzmaßnahme. Dem Umbau des Verkehrssystems hin zum Vorrang des Umweltverbundes (s.u.) ist Vorrang zu geben.
25. Mit dem Klimaschutzteilkonzept zur Mobilität (siehe Punkt 1) wird ein Plan zur Zukunft des Verkehrs in der Stadt Hamm erstellt. Hier sollen der Radverkehr und der ÖPNV einen hohen Stellenwert erhalten (…) Der Runde Tisch sieht hier den entscheidenden Hebel hin zu klimaneutraler Mobilität, denn Verkehrsteilnehmer im Umweltverbund (Fuß, Fahrrad, ÖPNV) verursachen weniger Treibhausgasemissionen als der motorisierte Individualverkehr (MIV). Daher fordert der Runde Tisch Klimabündnis, dem Umweltverbund umgehend Vorrang vor dem MIV zu gewähren. Leitlinie ist, den Umweltverbund zu „verwöhnen“, während gleichzeitig die Attraktivität des MIV reduziert wird.

Sofort umsetzbare Maßnahmen sind

· Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit;
· Einstellung der öffentlichen Warnungen wegen „Aktuelle Schwerpunkte der kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung“1
·
Änderung von Ampelschaltungen;
· Umstrukturierung der ÖPNV-Preise und Parkgebühren so, dass Parken deutlich teurer ist;
· Neuaufteilung von Verkehrsflächen.

Zitat vom Kieler OB Ulf Kämpfer im Deutschlandfunk2: „..man wird in den Haushaltsplanungen für 2020 vielleicht auch noch Mittel umschichten, die zum Beispiel den öffentlichen Nahverkehr oder die Fahrradfreundlichkeit in der Stadt verstärken“

26. (…) und der Ausbau (z.B. Ladeinfrastruktur) für E-Mobilität vorangetrieben werden.

Die Stadtwerke werden beauftragt, das Ladenetz für E-Autos wirtschaftlich „in die Fläche“ zu bringen. Neben den privaten Ladelösungen und den vorhandenen meistens innerstädtisch vorhandenen Ladesäulen sollen Lösungen in Parkhäusern und auf Parkplätzen (Schnellladungen) wie dezentrale Lösungen an Straßenlaternen erarbeitet werden. Neben der technischen Realisierung soll eine App-basierte Buchungsfunktion angeboten werden.

Es muss erleichtert werden, E-Autos tagsüber mit PV-Strom zu laden. Beispielsweise beim Arbeitgeber. Hier sehen wir die Stadtverwaltung und deren Tochtergesellschaften in der Pflicht.

Freiwirtschaftlichen Unternehmen muss der Zugang erleichtert werden und es ist hier Überzeugungsarbeit seitens der neu zu gründenden städt. Energie-Agentur (Punkt 2) zu leisten.

27. Nach der bereits beschlossenen Umgestaltung der Radstation am Bahnhof soll deren Auslastung erfasst werden. Mit Blick auf den zunehmenden Radverkehr soll dabei der Bau eines Radparkhauses im Bahnhofsumfeld mit in den Blick genommen werden. Weitere Radstationen werden bei Bedarf angestrebt. Es darf nicht außeracht gelassen werden, dass es grundsätzlich um ein vollständiges Radverkehrsnetz geht. Dazu gehören mehr Knoten als eine Radstation am Hauptbahnhof. Es gibt auch noch andere wichtige Knoten des ÖPNV. Und es gibt Zentren in der Innenstadt und in den Bezirken, wo momentan einfache Fahrradabstellanlagen fehlen.

Sofort mögliche Maßnahme:
Parkraum wegnehmen und dort Fahrradabstellanlage aufbauen. Dadurch entsteht Komfort fürs Fahrrad ohne Notwendigkeit der Kontrolle (Keine Mehrarbeit für den KOD3)

28. Die Wirtschaftsförderung Hamm wird beauftragt, die Entwicklung eines Kompetenzzentrums für E-Mobilität in Hamm zu fördern. Die Aufgaben und Geschäftsform dieses Kompetenzzentrums sind nicht definiert.
Welche Aufgaben und Kompetenzen hat ein solches Zentrum? Wie ist es organisiert?
In Aachen scheint das „Kompetenzzentrum Mobilität“ an der FH angegliedert zu sein4

1Diese Warnungen kann jeder Bürger per Newsletter bei der Stadt bestellen, er hat ein WA-Abo oder hört Radio.
2Quelle: GEO.de…
3KOD = Kommunaler Ordnungsdienst
4Kompetenzzentrum Mobilität in Aachen: blb.nrw.de…

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten, sondern diesebei uns einreichen.

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