Skip to main content
Windräder in Hamm, Kraftwerke im Hintergrund

Riesenwindräder für Hamm geplant

WA vom 05.10.2020: "Baustart für zwei Riesenwindräder"
WA vom 05.10.2020

Nun kommen sie endlich!

Bis Ostern 2021 sollen auf Hammer Stadtgebiet (in Rhynern und Freiske) zwei Riesenwindräder entstehen. Darüber hat der Westfälische Anzeiger am 05.10.2020 berichtet. Knapp 200 Meter hoch sollen die Windkraftanlagen (WKA) bis zur äußersten Spitze eines senkrecht stehenden Rotorblattes werden. Ein Rotorblatt wird allein eine Länge von 70 Metern haben. Betreiber wird die SL Naturenergie. Nach Aussage des Geschäftsführers, Milan Nitschke, werden die Anlagen rund 20 Jahre in Betrieb sein. Für den Rückbau sei bereits jetzt Geld hinterlegt. Die beiden Räder der SL Naturenergie seien so leistungsstark, dass sie etwa 15 000 Einwohner der Stadt Hamm ein Jahr lang mit Strom versorgen können.

Es bleibt dort nicht bei diesen zwei Windmühlen. In dieser Vorrangzone sind insgesamt vier Windräder geplant. Windkraftgegner haben Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt und lassen sich von einer Anwältin vertreten. Sie haben Bedenken wegen Schlagschatten, Lärm und Infraschall. Nitschke ist sich sicher, dass es keine Hürden mehr gibt, weil alle Vorschriften eingehalten wurden.

Leider schweigt sich der Westfälische Anzeiger darüber aus, was die Anlagen leisten werden. Die nachfolgende Berechnung vom Klimaschutzmanager der Stadt Hamm, R0lf Wiemer und eine Stellungnahme dazu von Prof. Dr. Olaf Goebel von der Hochschule Hamm-Lippstadt beschreibt und begründet den voraussichtlich großen Ertrag der Windmühlen, wobei hier als Ertrag nicht nur die monetäre Größe, sondern für das Klima natürlich vor allem die CO2-Einsparung wichtig ist:

Zitat aus der Berechnung von Rolf Wiemer, Klimaschutzmanager der Stadt Hamm:

Quelle: Rolf Wiemer, 06.10.2020

Nach meiner Recherche werden dort zunächst zwei ENERCON E-138 mit einer Leistung in Höhe von je 3,8 MW installiert. Zum Vergleich: die GROWIAN- Versuchsanlage (1980er Jahre) hatte eine Nennleistung von 3,0 MW!

Niemand hatte damals angenommen, dass derartige Anlagen einmal im Binnenland installiert werden.

Die Windgeschwindigkeit wird am Standort im Mittel mit 5,5 m/s angenommen (in Nabenhöhe). Im Ergebnis heißt das, der jährliche Energieertrag müsste bei über 8,5 Mio. kWh/a liegen (siehe Grafik rechts)

Es kann, grob geschätzt, davon ausgegangen werde, dass die Anlage ein Jahr arbeiten muss, um die Herstellungsenergie zu erzeugen.

Danach wird dann viel CO2 eingespart: 222g/kWh (CO2/kWh Strommix lt. Stadtwerke Hamm 2018)   x 8.500.000 kWh = 1.887.000 kg CO2/Jahr (Einsparung) oder 1.887 Tonnen CO2/Jahr.

Stellungnahme von Prof. Dr. Olaf Goebel dazu:

Ja, das sehe ich auch so. Die CO2 payback time ist ca. 1 Jahr. Die Energy payback time ist nur knapp ein halbes Jahr!

Je sauberer unser Strommix wird, desto länger wird die CO2 payback time (es sei denn die Energie zum Bau der WKA wird auch immer CO2-ärmer, was ja sicher auch zutreffen wird.). Die energy payback time dagegen bleibt davon unberührt.

Ich habe nachgefragt: „Wenn der Strommix sauberer wird, müsste dann die ‚CO2 payback time‘ nicht kürzer sein?“. Hier ist die Definition von Prof. Dr. Goebel dazu:

Definition des Begriffes „CO2 payback time“:

Wie lange muss die WKA laufen (und somit CO2-freien Strom erzeugen) damit die CO2 Emissionen, die zur Herstellung der WKA emittiert wurden, wieder eingespart worden sind?

Dabei kommt es darauf an, wie viel CO2 wird pro kWh Strom emittiert, bei dem Strom, den die WKA ersetzt. Ersetzt sie Kohlestrom, so ist der Betrag ca. 900 g CO2 je kWh Strom. Ersetzt sie Strom aus einem Gaskraftwerk, so ist der Betrag knapp 400 g CO2 pro kWh Strom. D.h. je CO2-ärmer der Strom ist, den die WKA ersetzt, desto länger dauert es, bis der CO2-Rucksack der WKA-Herstellung kompensiert ist.

Da wir in Hamm recht CO2-armen Strom beziehen, ist die CO2 payback time ein Jahr. Bei vielen Projekten, bei denen ich vor einigen Jahren die CO2 payback time berechnet habe, war der Zeitraum kürzer (6 bis 8 Monate).

Bei solchen Berechnungen nimmt man für die Herstellung Standardwerte an (z.B. wie viel CO2 entsteht üblicherweise bei der Herstellung von 1 kg Stahl oder Kupfer? Diese Werte lassen sich recht genau ermitteln). Nun achten aber einige WKA Hersteller heutzutage schon darauf, dass sie bei der Produktion möglichst CO2-arm sind. Damit wird dann die CO2 payback time wieder kürzer.

 

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

Schreibe einen Kommentar