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Münster Alte Salzstraße

Students4Future Münster: „Klimakrise muss endlich wie eine Krise behandelt werden“

Wir dokumentieren ausgewählte Redebeiträge von der Fahrraddemo gegen die Kohle- und Atompolitik der Bundesregierung. Damit wollen wir dazu beitragen, dem Klimaschutz in Deutschland eine Stimme zu geben und die Reichweite des Diskurses vergrößern.

Den Inhalt dieser Rede geben wir in der Form wieder, wie diese uns von der Rednerin zur Verfügung gestellt wurde.

Lean, Students4Future Münster, 07.06.2020

„Zweieinhalb Wochen sind vergangen, da standen wir mit einigen Münsteraner Gruppen, die sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, auf dem Hafenplatz und auch deutschlandweit wurde gegen die Inbetriebnahme des neuen Steinkohlekraftwerks Datteln 4 protestiert. Medial hat der Protest zwar einiges an Aufmerksamkeit bekommen, gebracht hat er leider nichts – denn letzte Woche ist das Steinkohlekraftwerk in Datteln ans Netz gegangen – und das, obwohl die Kohlekommission davon abgeraten hat.

Immer wieder stelle ich mir die Frage, was denn passieren muss, damit endlich politische Maßnahmen ergriffen werden, die entschlossen genug sind, gegen die Klimakrise vorzugehen. Denn mal ehrlich: wir wissen doch wirklich genug!

97 % der Wissenschaftler*innen sprechen von einem hauptsächlich menschengemachten Klimawandel und warnen vor dessen Folgen. Schon jetzt werden vor allem im globalen Süden, aber auch im globalen Norden die Folgen der Klimaerwärmung spürbar. Denken wir nur an die Hitzesommer in den vergangenen Jahren. Die Folgen der Klimakrise werden von zahlreichen Wissenschaflter*innen beschrieben: Dürre, Überflutungen, Waldbrände, Hungersnöte und in der Folge der Kampf um begrenzte Ressourcen, Flucht. Die Liste könnte fortgeführt werden und zeigt ziemlich eindeutig, dass die Lage schwierig ist, dass sie gefährlich ist – und eben eine echte Krise darstellt.

Und dieses Wissen besteht seit Jahren bzw. seit Jahrzehnten. Doch was ist bisher passiert? Erschreckend wenig. Die politischen Handlungen bleiben trotz dieses ganzen Wissens in den letzten Jahren extrem zahm. Und dass, obwohl inzwischen auch großen Teilen der Bevölkerung der Ernst der Lage bewusst geworden ist – immerhin gingen im September letzten Jahres 1,4 Millionen Menschen in Deutschland auf die Straße, um konsequentere Klimapolitik zu fordern. Offenbar haben die meisten erkannt, dass der Klimawandel eine echte Bedrohung darstellt – dass es eben nicht nur ein Wandel ist, sondern eine Krise, die eben auch katastrophale Folgen für die Gesellschaft hat.

Dass diese Krise ernst zu nehmen ist und wir uns ganz schön ins Zeug legen müssen, wenn die Ziele, die im Pariser Klimaabkommen geschlossen wurden, irgendwie eingehalten werden sollen, damit eine Chance – ja, lediglich eine Chance und noch nicht mal eine Gewissheit – besteht, dass sich die Klimaerwärmung auf 1,5 °C begrenzen lässt.

Doch das Wissen über die Gefahr der Klimaerwärmung, der Protest der vielen Menschen auf der Straße, die eindeutigen Warnungen von Wissenschaflter*innen – all das reichte bisher nicht aus, um auf politischer Ebene angemessene Konsequenzen herbeizuführen. Im Gegenteil: Deutschland hätte seine Klimaziele bis 2020 ohne den Lockdown aufgrund der Coronakrise niemals erreicht. Das sogenannte Klimapaket der Bundesregierung ist vielmehr ein Päckchen und wird Expert*innen zufolge nicht dazu führen, dass Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele einhalten kann. Und statt endlich konsequent auf den Ausbau erneuerbarer Energien zu setzen, ist in der letzten Woche das neue Steinkohlekraftwerk in Datteln ans Netz gegangen, wobei doch angeblich der Kohleausstieg geplant ist und die Kohlekommission von der Inbetriebnahme abgeraten hat. Luisa Neubauer hat das Kraftwerk meiner Meinung nach sehr treffend als „postfaktisch“ bezeichnet, denn alle Fakten sprechen dagegen. Dass die Bundesregierung sich dennoch für die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks entschieden hat, löst bei mir Unverständnis und Fassungslosigkeit aus.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir heute wieder zusammen hier stehen und laut sind. Dass wir die Bundesregierung und insbesondere Frau Schulze als Bundesumweltministerin hier und heute erneut auffordern, die Klimakrise endlich auch wie eine Krise zu behandeln. Wir fordern, dass die Regierung nicht länger Klimakiller aus der Kohleindustrie unterstützt, sondern sich durch mutiges Handeln klar für eine lebenswerte und klimagerechte Zukunft einsetzt.“

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