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Systemschmelze #1

Anlässlich des heutigen Earth Overshoot Day setzen wir die Rubrik Systemschmelze mit weiteren Information über die Zerstörung des Ökosystems Erde fort. Denn – die Faktenlage bleibt weiter dramatisch.

Die ‚Null‘ als Zahl ist nicht nur eine wichtige mathematische Größe. Sie ist auch das Ziel der Bemühungen beim Klimaschutz. Darauf weißt Anders Levermann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Interview hin:

„Wir bauchen nicht weniger Emissionen, wir brauchen null Emissionen. Null! Das ist etwas anderes als Emissionen verringern. Etwas fundamental anderes, wenn sie mit Wirtschaftsvertretern sprechen.“

Doch bleibt die Klimakrise nur eine von zahlreichen Fundamentalkrisen, die die Menschheit zu verantworten hat. Darauf weist der heutige Earth Overshoot Day hin.

Das Datum, wann die Ressourcen der Erde innerhalb eines Jahres verbraucht sind, wird jedes Jahr neu berechnet. Ziel ist es, dass die Weltressourcen frühestens am 31.12. an ihr Ende kommen. Doch von diesem Minimalziel ist die Menschheit weit entfernt.

In diesem Jahr wurde der 22.08. errechnet. Aufgrund der Coronakrise hat sich also der ökologische Fußabdruck der Menschheit leicht verringert:

„Das ist eine direkte Folge der weltweiten COVID-19 Quarantänen. Die Reduktion im Holzverbrauch und der CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sind die beiden Hauptgründe für die Trendwende des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit.“

Am 13.08.2020 wurde eine Studie über die Schmelze des Grönland-Eises veröffentlicht. Die ForscherInnen haben aus den Daten eine Beschleunigung des Schmelzprozesses seit Beginn des 21. Jahrhunderts festgestellt. Dieser Eisverlust ist der größte einzelne Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels weltweit. Die Studie spricht von einer nachhaltig veränderten Dynamik beim Schmelzprozess in Grönland.

Das Alfred-Wegner-Institut (AWI) berichtet vom einem Rekord beim Eisverlust in Grönland:

 „Nach zwei Jahren ‚Atempause‘, sind in 2019 die Massenverluste wieder stark angestiegen und übertreffen alle Jahresverluste seit 1948, wahrscheinlich sogar seit über 100 Jahren.“
Ingo Sasgen, Glaziologe, AWI Bremerhaven

Hauptursache für den Rekord sind ungewöhnlich stabile Hochdruckgebiete über Grönland, die warme Luftmassen nach Norden transportieren.

Ob damit Kipppunkte im Weltklimasystem bereits überschritten sind, bleibt umstritten. Doch so lange sich die Menschheit weiter auf dem Worst-Case-Emissionspfad befindet, erscheint eine derartige Diskussion eher müßig.

 

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