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Systemschmelze #5

Während im Dannenröder Forst der letzte Widerstand gegen die Abholzung von Bäumen durch die Polizei geräumt wird, spitzt sich die Klimakrise weiter zu. Ohne eine politische Strategie sieht die Weltgemeinschaft der steigenden CO2-Konzentration zu. Die Auswirkungen sind bereits heute tödlich.

Prozentuale Änderung der Anzahl von Hitzetoten im Vergleich des Durchschnitts von 2000-2004, Vier-Jahres-Mittelwerte; Quelle: 2020 Report of the Lancet Countdown

Das Fachjournal „The Lancet“ hat eine Untersuchung zu den Hitzetoten weltweit veröffentlicht. Das Ergebnis für Deutschland: Mit rund 20.200 Todesfälle bei über 65-Jährigen im Zusammenhang mit Hitze im Jahr 2018 ist Deutschland an der Spitze. Nur die zwei bevölkerungsreichsten Länder der Welt mit je rund 1,4 Milliarden Einwohnern lagen nach reinen Zahlen gesehen noch höher: China mit 62.000 und Indien mit 31.000 Hitzetoten. Seit 2004 hat die Zahl der Toten über 40 Prozent zugenommen – auch das ist rekordverdächtig.

Die Opferzahl bei Hitzewellen wird weiter ansteigen. Dafür sorgen ständig neue Temperaturrekorde. Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus teilte mit: Der vergangene Monat sei der heißeste November weltweit seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Der Novemberrekord lag zudem 0,1 Grad über den letzten gleich hohen Spitzenwerten in den Jahren 2016 und 2019.

Wann aber werden nun die Temperaturen die Grenzen des Pariser Klimaabkommens sprengen? Auch zu dieser Fragestellung liefern die ForscherInnen immer präzisere Daten:

„Wenn die Welt nicht damit beginnt, rasch die Emissionen zu reduzieren, ist es offensichtlich, dass die 1,5°C Temperaturerhöhung zwischen 2026 und 2042 überschritten wird.“
Zeke Hausfather, Carbon Brief

Die ForscherInnen kommen zu diesem Ergebnis, indem sie die verschiedenen Zukunftsmodelle durchkalkulieren und aktuelle Beobachtungsdaten ausnutzen. Die Spannbreite der Jahreszahl erklärt sich aus den Unsicherheiten der verschiedenen Projektionen bis zum Jahr 2100.

Carbon Action Tracker; Projektion der Erderwärmung; Globaler Temperaturanstieg bis 2100; aktualisiert Dezember 2020

Das Portal Climate Action Tracker CAT informiert zeitnah über den aktuellen Forschungsstand zur Klimakrise. Die jüngste Prognose vom Dezember 2020 kommt dabei zu folgenden Ergebnissen:

  • Die bisherige Temperaturerhöhung beträgt 1,1°C.
  • Die aktuelle Verpflichtung der Weltgemeinschaft zur Treibhausgasreduktion (Pledges & Targets) werden zu einer Temperaturerhöhung von 2,6°C (2,1°C bis 3,3°C) führen bis 2100.
  • Die aktuellen politischen Entscheidungen (Current Policies) werden zu einer Temperaturerhöhung von 2,9°C (2,1°C bis 3,9°C) führen bis 2100.
  • In einem optimistischen Szenario würde bis 2100 eine Temperaturerhöhung von 2,1°C erreicht (1,7°C bis 2,7°C).

Die Forderung der WissenschaftlerInnen von CAT ist eindeutig:

„Um die Lücke zum Erreichen des 1,5°C-Ziels zu schließen, müssen die Staaten strengere Ziele für 2030 vorgeben“

Dass es zu einer strengeren Selbstverpflichtung der Staatengemeinschaft kommen wird – dazu sehen die AutorInnen aktuell keine Bewegung in der Politik.

 

 

 

 

 

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