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Unsere Gruppe bei COP21-Demos in Paris

Wir sind nach Paris gefahren, weil wir am 12. Dezember bei der Demo des Atomblocks während des Weltklimagipfels (COP21) dabei sein wollten. Aufgrund der Attentate am 13.11.2015 wurden jedoch alle Demonstrationen in Paris von den Behörden verboten.

Wir sind trotzdem nach Paris gefahren. Für den Samstag haben wir uns eine Besichtigungstour zu Fuß und mit der Metro vorgenommen. – Es kam jedoch anders.

2015-12-12_10-26-34-kAn der Metro-Station Anvers ist uns eine kleine Gruppe aufgefallen, die wegen ihrer Sweatshirts als OXFAM-Akteure zu erkennen waren. Wir haben sie gefragt, ob trotz der Verbote irgendwelche Aktionen laufen. Sie brauchten einige Zeit, um uns zu vertrauen. Dann erfuhren wir von den Planungen:

  • 11 Uhr:
    Überall in der Stadt werden Fotos aufgenommen. Das Motiv: Menschen, die Plakate mit Forderungen, Wünschen u.s.w. zum Klimagipfel zeigen. Diese Fotos sollten dann zur gleichen Zeit mit dem Hashtag #climatejusticepeace auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht werden.
  • 12 Uhr:
    Die nicht angemeldete Aktion „Redlines“ auf der Avenue de la Grande Armée, westlich des Arc de Triomphe (Triumphbogen). Das Motto hatte einen übertragenen Sinn: „Eine rote Linie“, die nicht überschritten werden darf. Zu diesem Zweck sollten die Teilnehmer etwas Rotes anziehen oder mitbringen. Mützen, Schals, Tücher,… was auch immer. Diese Redlines-Aktionen fanden in vielen Metropolen der Welt statt, (Viele Fotos bei Twitter)
  • 14 Uhr:
    Eine angemeldete Demonstration in der Nähe des Eiffelturms mit Menschenkette, Aktionen, Kundgebung und Musik.

Das Foto für die #‎climatejusticepeace‬-Aktion

Foto: Floortje De VinkFlorrtje ist eine gebürtige Holländerin, die in Paris wohnt. Sie gehörte zu der französischen OXFAM-Gruppe. Von unserer Gruppe machte sie ein Foto, was sie anschließend mit dem Hashtag #‎climatejusticepeace bei Twitter ‬ gepostet hat.

 

Stimmung wie bei einem Volksfest

Nach diesem Foto-Shooting machten wir uns direkt mit der Metro auf den Weg in Richtung Arc de Triomphe.

googlemaps_arc_de_triompheDort angekommen, haben wir erst einmal das gemacht, was andere Touris auch machen: Den Triumphbogen bestaunen und den Kopf schütteln, angesichts des ihn umgebenden Kreisverkehrs mit sechs (sechs!) Fahrspuren, die nicht einmal durch weiße Linien voneinander getrennt sind. Beim Straßenverkehr war kein System erkennbar. Jeder fuhr in den Kreisel, wie er wollte, und fuhr so auch wieder heraus. Da wurde auch einfach mal schräg über alle sechs Spuren gefahren oder sogar gewendet, um eine Ausfahrt zu erreichen. Alles lief trotzdem reibungslos, wenn auch langsam. – Besonderes Handicap zu dieser Zeit: Eine der 12 (zwölf!) Ausfahrten war wegen der illegalen Demo gesperrt und eine zweite wegen eines Unfalls blockiert…

Fahrrad-Demo rund um den TriumpfbogenPlötzlich waren viele Fahrradklingeln zu hören: Eine Demo mit Fahrradfahrern fuhr, ähnlich einer Critical Mass, in den Kreisel und brachte so den kreisenden Autoverkehr zum erliegen. Natürlich nutzten die Fahrradfahrer den frei gewordenen Straßenraum, um den Kreisverkehr einmal zu umrunden.

Die Teilnehmer der Demonstration zeigten viel Fantasie. Der Anlass der Demo war zwar sehr ernst, aber die Akteure ließen sich trotzdem den Spaß nicht nehmen.

Fahr- und Lastenräder.
2015-12-12_12-34-34-k Singen, Klatschen und viel Lachen.[/caption]

Die Clownsarmee in Aktion

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Hauptzweck dieses Vorgehens ist es, militärisches Auftreten durch übertriebene Nachahmung lächerlich zu machen und die Sicherheitskräfte zu verwirren. […] Die Kostüme dienen einerseits zur Verwirrung unbeteiligter Personen und unterstützen den Effekt von Aktionen, andererseits helfen sie auch bei der Wahrung der Anonymität. (Wikipedia)
Bilderserie anklicken:

 Etwas andere Clowns  😛 😈

„Bis hier und nicht weiter…“

Bilderserie anklicken:

Was diese teilweise vermummten Herren der Staatsmacht der CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité = „Sicherheitskompanien der Republik“, Französische National-, Bereitschaftspolizei und Zivilschutz) erwartet haben, hat sich uns nicht erschlossen. Jedenfalls haben sie die Teilnehmer zur Demo durchgelassen, aber nicht wieder heraus. Der Sicherheit der Teilnehmer diente dieses Gehabe sicherlich nicht, denn bei Massenveranstaltungen müssen Fluchtwege offen bleiben, so wie beim riesigen Weihnachtsmarkt inmitten von Paris. Hier bei der Demo jedoch waren Fluchtwege durch Absperrungen, Fahrzeuge und Polizeiketten versperrt. Das wirkte wie eine Einkesselung friedlicher Demonstranten. – Warum auch immer! Jedenfalls hielt es scheinbar niemanden davon ab, trotzdem teilzunehmen. Es war zu befürchten, dass die Staatsmacht irgendwann provozierend eingreift, um so mit einer Radikalisierung des gewaltfreien Demoverlaufs argumentieren zu können. Dazu kam es jedoch nicht.

Mitmachaktionen mit viel Fantasie und Freude

Hier wird ein riesiger Ballon bemalt und beschriftet:

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Auch Eisbären haben sich in Paris getroffen

Demonstration und Kundgebung am Eiffelturm

Nicht zu übersehen...
Nicht zu übersehen…

Nach den Aktionen unweit des Triumphbogens machten wir uns auf den Weg zur offizellen (und genehmigten) Demonstration am Eiffelturm.

Auch dort wurden wir auf Umwegen zum Veranstaltungsort geführt. Überall Absperrungen und Polizei. Schließlich kamen wir durch einen der wenigen Eingänge. An jedem Durchlass mehrere Polizisten, die jeden Demonstrationsteilnehmer gründlich durchsuchten. – Was ist in der Tasche? Was ist in der leeren Tasche? Abtasten von Jacke und Hose… Man/frau fühlte sich an Einlässe bei großen Konzert-Events erinnert… Hier jedoch professionelle Respekt gebietende Sicherheitskräfte mit Schussweste und voller Bewaffnung.

Diese Maßnahmen waren durchaus verständlich, denn jeder dachte dabei sicherlich an die Anschläge am 13.11., und dieses sollte sich bei der anstehenden Massenveranstaltung natürlich nicht wiederholen.

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„Debout et determines pour le Climat“ („Aufrecht und entschlossen für das Klima“)

Auf dem Veranstaltungsgelände, dem Champs du Mars, einer Parkanlage direkt hinter dem Eiffelturm, reihten wir uns schnell in eine Menschenkette ein, denn diese Aktionsform war Teil des Plans. Der  Park war umringt von mehreren dieser Ketten. Irgendwann löste sich unsere Kette auf und wir wurden gebeten, uns auf präparierte und mit Folie abgedeckte Flächen auf dem Rasen zu legen. Dort sollten wir uns nicht bewegen und uns tot stellen. Wir haben so mit mehreren Hundert Teilnehmern einen riesigen Schriftzug gebildet: Mit den Buchstaben „S-O-S“ sollte der Hilferuf der Erde dargestellt werden. Für uns am Boden nicht lesbar, aber schöne Motive für Fotografen auf Hebebühnen und Kranwagen. Gleichzeitig Redebeiträge von deutschen und französischen Sprechern.

2015-12-12_15-24-34Nachdem diese und andere Aktionsformen auf dem Rasen abgeschlossen waren, versammelten sich alle Teilnehmer vor einer großen Bühne. Dort gab es was auf die Ohren: Eine Live-Band, bei der die Franzosen eifrig mitsangen. Zwischendurch einige Reden.

Ein würdiger Abschluss für einen ereignisreichen Tag!

Projektion am Eiffelturm (#humanenergy)

Am Abend zuvor haben wir eine Lasershow verfolgt, die Schlagwörter auf den Eifelturm projizierte. Mit viel Zeit zwischendurch zum Nachdenken. Ein auffälliger Hingucker mit viel Publikum.

Ein kleiner Auszug:

#HUMANENERGY bei Twitter

Der Friedhof Père Lachaise

Hier noch das traurigste Foto von unserer Reise nach Paris:

Dieses Grab haben wir zufällig auf dem Friedhof Père Lachaise gefunden. Suzon Garrigues starb am 13.11.2015 im Pariser Konzertsaal BATACLAN beim Terroranschlag der Djihadistenorganisation „Islamischer Staat“ im Alter von 21 Jahren. [Wikipedia hierzu]

Weitere Berichte und Bilder

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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