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Vertrockneter, rissiger Acker

Versickerung von Regenwasser pauschal ausgeschlossen.

Entwässerungskonzept unzureichend und folgenschwer fürs Klima

18 Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Stadtgebiet haben bei der Bezirksregierung Arnsberg eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Hamm eingelegt bzw. sich dieser angeschlossen. Die Bezirksregierung ist für die sogenannte Kommunalaufsicht zuständig. Die Beschwerde hat den Bebauungsplan „Auf der Helle“ (Rhynern) zum Gegenstand, den die Ampelkoalition zusammen mit der CDU im Dezember letzten Jahres beschlossen hat. Nach Ansicht der Beschwerdeführenden ist das Entwässerungskonzept für das zukünftige Baugebiet „fehlerhaft und unzureichend“. Die Versickerung von Regenwasser wurde mit Verweis auf die Bodenbeschaffenheit ausgeschlossen, die Verwaltung hat stattdessen festgelegt, dass Niederschlagswasser über den Mischwasserkanal abgeleitet werden soll. Die Fachaufsichtsbeschwerde richtet sich nun zum einen dagegen, dass die Möglichkeiten der Versickerung gar nicht konkret geprüft wurden, obwohl die Versickerung von Regenwasser gesetzlich vorgesehen ist. Die Beschwerdeführenden verweisen zudem auf das Gutachten eines renommierten Experten, der eine Versickerung auch unter den gegebenen Bodenverhältnissen für möglich hält.

Zum anderen habe die Stadt trotz vielfacher Nachfragen nicht darlegen können, dass das Kanalnetz auch ausreicht, um die zusätzlichen Mengen an Niederschlagswasser von den dann versiegelten Flächen aufnehmen zu können. Überflutungen bei Starkregenereignissen könnten die Folge sein. Die Stadt – so die Kritik weiter – verweise stattdessen darauf, dass mögliche Probleme mit der Entwässerung bei der „konkreten Entwässerungsplanung“ für die einzelnen Bauvorhaben gelöst werden können. „Die möglichen Probleme mit der Entwässerung hätten besser im Vorhinein gründlich und als Ganzes abgewogen werden sollen anstatt die Lösung auf später zu verlagern – Wasser hält sich nicht an Grundstücksgrenzen“, so Sandra Kotlenga. Von der Bezirksregierung erhoffen sich die Beschwerdeführenden nun eine möglichst objektive Überprüfung des beschlossenen Bebauungsplans bzw. des darin enthaltenen Entwässerungskonzepts der Stadt.

Auch mit Blick auf andere Bauvorhaben im übrigen Stadtgebiet wünschen sie eine Überprüfung der städtischen Planungen. So schließt die Verwaltung z.B. auch beim geplanten Baugebiet Lisenkamp in Uentrop eine Versickerung aus – mit einem allgemeinen Hinweis auf die Bodenbeschaffenheit. Auch hier habe die Stadt auf Anfragen eines Beschwerdeführers keine konkreten Informationen zur vermeintlich mangelnden Versickerungsfähigkeit des Bodens vorlegen können, vielmehr legen die zur Verfügung gestellten Geodaten eine hohe Bodendurchlässigkeit nahe. Christian Oelker aus Uentrop hebt zudem hervor:

„Das Gebiet ist hochwassergefährdet, das Grundwasser reicht teilweise sehr nahe an die Oberfläche heran. Hier müsste die Verwaltung doch eigentlich ganz besonders sorgfältig mit Fragen der Entwässerung und des Gewässerschutzes umgehen.“

Die Fachaufsichtsbeschwerde zielt also nicht nur auf die „Aufhebung oder Korrektur“ des Bebauungsplans „Auf der Helle“ in Rhynern ab. Darüber hinaus erhofft sich die Gruppe für die gesamte Stadt Hamm „ein grundsätzliches Signal für ein zukunftsfähiges Verwaltungshandeln“ und „einen insgesamt sorgsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser.“

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Quelle: Pressemitteilung vom 21.04.2022
Beitragsbild: Versonnen, pixelio.de 

 

 

Uli Mandel

Gründer, Administrator und Koordinator des Klimabündnis Hamm. Motto: "Taten, statt warten!“ oder "Auch ein Schritt zurück kann Fortschritt sein." Wer in meinen Beiträgen Fehler findet, sollte sie nicht behalten. Bitte per Mail zuschicken!

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